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P a r i s
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Donnerstag, 21. August 2008, Air France - AF 5493 - ab Hannover: 12:30 Uhr, Ankunft 14:00 Uhr, Flughafen Charles-des-Gaulles.
Dienstag, 26. August 2008, Air France - AF 5494 - ab Charles-de-Gaulle: 12:35 Uhr, Ankunft 14:05 Uhr
Les Jardins du Marais, 74 Rue Amelot, 75011 Paris, Zimmer Nr. 146 im Gaughin-Flügel, Metro: St. Sébastien Froissart, 5 Nächte.
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Der absolut einzige Grund für die Buchung dieser Reise war, dass ich in den langen drei Wochen meines Sommerurlaubs vor dem Rest der Welt flüchten wollte.
Ich genoss die Tatsache, dass niemand was von mir wollte und keiner so genau wusste, wo ich mich aufhalte !
Mal abzutauchen und für niemanden erreichbar zu sein, kann sehr entspannend sein. Natürlich geht das auch in London ganz gut, aber da war ich ja nun erst.
Auf diese Weise konnte ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Mir war schon lange klar, dass ich irgendwann nach Paris muss, um mir ein weiteres Mal die Dinge anzusehen, die ich schon als 14jährige toll
fand (und für die ich vor ca. 6 Jahren keine Zeit hatte).
Mir ist bewußt, dass es purer Luxus ist, innerhalb von 3 Monaten in London und Paris zu sein. Ich genieße den Zustand, solche Dinge zu tun, sehr und
ich weiß es echt zu schätzen. Das Sahnehäubchen in diesem Jahr wird ein Geburtstagsständchen von Cliff sein - im November. Er möchte in Birmingham nur für mich singen; ich habe also keine Chance “Nein”
zu sagen !
Ok, here we go:
Alles fing damit an, dass ich am Donnerstag im Terminal A des Flughafens Hannover stand und auf die Abflugtafel blickte. Beim Überfliegen der Reiseziele
fiel mir sofort eine vertraute Anzeige ins Auge: BD 816 - London Heathrow - 11:50 Uhr ! Mein Blick blieb einige Sekunden daran hängen und ich seufzte einmal sehnsuchtsvoll, bevor ich ein paar Zeilen weiter unten:
“Paris - Charles de Gaulle 12:30 Uhr” sah und mir wieder einfiel, warum ich eigentlich hier war.
Ach, natürlich war mir klar, dass ich auch in Paris eine schöne Zeit haben und was erleben werde. Wie kann ich denn vorm Abflug schon so deprimiert sein ?
Ich versuchte nicht an London zu denken, sondern mich auf den bevorstehenden Flug zu konzentrieren. Etwas seltsam war es trotzdem.
Im Flieger nahm ich mir den Herald Tribune und blätterte darin rum, bis mir tatsächlich was zu Essen und zu Trinken angeboten wurde, und das kostenlos ! Das
hatte ich schon lange nicht mehr.
“It’s undisturbable the peace we’ve found in a bright blue space up above the clouds” hatte ich plötzlich im Ohr, als ich aus dem Fenster blickte und dieses
unbeschreibliche Blau über mir sah. “Where everything is understandable you don’t have to say anything too loud” summte ich weiter vor mich hin...(Lighthouse Family “Lifted”)
So kam ich entspannt und doch etwas nervös in Paris an.
Ok, ich war also in Frankreich. Meine Sprachkenntnisse halten sich in Grenzen. Ich weiß gar nicht, wie lange es her ist, dass ich was Französisches gesagt
habe... Aber gut, ich liebe Herausforderungen und ich habe vorher geübt, ich geb’s zu.
Dank meiner professionellen Vorbereitung war es kein Problem vom Flughafen zum Hotel zu gelangen, trotz zweimaligem Umsteigen. Kaum hatte ich zwei Schritte
ins Hotel reingesetzt, wurde mir mein Koffer abgenommen und weggerollt. Etwas irritiert, aber angenehm überrascht, checkte ich ohne Probleme ein und fand meinen Koffer im kleinen Innenhof - auf mich wartend -
wieder. Ein gutaussehender Hotelangestellter zog meinen Koffer und geleitete mich bis zum winzigen Fahrstuhl im Gaughin-Flügel.
Ich war glücklich, dass das Hotel so gar nicht den Gästebewertungen auf bookings.com entsprach. Ich hatte mir vorher die Bewertungen durchgelesen und
dachte: “Oh je, was haste denn da gebucht ?”
Der Innenhof war wirklich süß und total sauber und vor allem: es war still ! Dementsprechend war das Zimmer - auf den ersten Blick sehr sauber, relativ
groß, mit ner kleinen Küche (Geschirrspüler, Kühlschrank) und nem sauberen Badezimmer. Ein LCD-Fernseher an der Wand und doppeltverglaste Fenster rundeten das Gesamtbild ab ! Herrlich !
Nachdem ich mir alles angeguckt habe, packte ich meine Tasche und keine zehn Minuten später stand ich draußen auf der Rue Amelot. Ich hatte angenommen, dass
ich besonders am Anfang meinen Stadtplan kaum aus der Hand legen würde - aber weit gefehlt: ich bin einfach losgelaufen, hab mich treiben lassen - irgendwo in Richtung Seine. Egal, einfach laufen, gucken, staunen.
Ich wollte erst mal ein Gefühl für die Stadt bekommen, spüren wie die Menschen sind.
Durch Zufall entdeckte ich den Place des Vosges, der mir vorher wärmstens empfohlen wurde. Neugierig wie ich bin, hab ich mich nicht lange aufgehalten -
dafür gab’s einfach viel zu viel zu entdecken !
Irgendwann war ich endlich an der Seine - mein Weg führte mich über die Pont de Sully auf die Ile St. Louis und an der Seine weiter, solange, bis ich auf
der anderen Uferseite Eis essende Menschen entdeckte ! Das konnte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen - also über die Pont Marie und ab zum Eisstand ! Dort sprach ich die ersten Worte und ließ mir drei Kugeln
geben: Maracuja, Stracciatella und Kokos - was für ein Gedicht ! Ach, es war so lecker - allein dafür lohnt es sich, nochmal herzukommen.
Den Weg an der Seine schlenderte ich mit meinem Eis so weit, bis ich auf der gegenüberliegenden Seite die Kathedrale Notre Dame auf der Île de la Cité
entdeckte. Demnach muss es die Pont d’Arcole gewesen sein, mit der ich den Fluss überquerte.
Als ich dem Vorplatz der Kathedrale näher kam, dachte ich: “Was ist denn h i e r los ?” Die Schlange reichte über den gesamten Platz. Wie kann man sich da bloß anstellen ? Ich fand’s echt schade, dass es so voll war, ich hätte mir die Kathedrale gerne angesehen.....
Na ja, irgendwann hab ich tatsächlich mal meinen Plan rausgeholt und festgestellt, dass der Louvre gar nicht so weit weg ist (“der ist ja gleich da
drüben”) - dazu fällt mir nur ein: vertraue nie deinem Stadtplan !
Über die Pont Neuf (nicht zuviel Stau !) gings zurück zum rechten Seine-Ufer. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam ich diesem riesigen Museum näher. Ich war
sehr auf die große Glaspyramide gespannt, die ich an diesem Tag zum allerersten Mal sehen wollte. Soweit ich weiß, gab es die damals - 1991 - schon. Allerdings kann ich mich überhaupt nicht erinnern, hier gewesen zu
sein.
Ich betrat den riesigen Innenhof des Museums und suchte mir den besten Platz zum Ausruhen. Das mußte sein ! Hier gab es aber nicht viel, außer nem
Springbrunnen.
Ich blätterte bestimmt nochmal im Plan oder hab aufgeschrieben, wo ich bin und was mir so einfällt. Das hab ich in diesen Tagen jedes Mal gemacht, sobald
ich mich irgendwo hingesetzt habe. Der einzige Grund, warum ich Langenscheidt’s Reisewortschatz bei mir hatte, war, dass ich zwischen den Seiten leere Blätter Papier aufbewahren konnte !
Komisch, dabei hätte ich gedacht, dass ich das kleine Büchlein die ganze Zeit krampfhaft festhalten würde. Meine Nervosität bezüglich der
Sprachschwierigkeiten legte sich ganz schnell... sie schmolz wohl mit dem Eis dahin !
Von der Glaspyramide auf dem Vorplatz des Louvre war ich enttäuscht - aber das ist man wohl immer, wenn man sich etwas größer vorstellt :)
Nicht schwer zu erraten, wo es mich danach hinzog - in den Jardin des Tuileries.
Ich will nicht meckern, es war echt schön dort. Alles ganz wunderbar bepflanzt, schön bunt und viele freie Stühle. Ich hab aber schon gemerkt, dass ich
nicht mit der gleichen Leidenschaft in den Parks bin wie ich sie in London fühle.
Ich wanderte mal hier und mal dorthin und war fassungslos über die Preise in den beiden Parkcafés. Etwas billigeres mußte gefunden werden und zwar bald. Je
weiter ich lief, desto näher kam ich dem gigantischen Place de la Concorde ! Ich saß einige Minuten an einer erhöhten Stelle auf nem Metallstuhl, um alles ordnungsgemäß zu filmen.
Der Obelisk, der Eiffelturm und die Wolken, das war schon irgendwie ein dramatisches Bild ! Für den Abend brauchte ich dringend noch was zu Trinken und zu
Essen. Was liegt da näher, als diesen riesigen Platz zu überqueren, um geradewegs auf der Champs Élysées was zu kaufen. Ich weiß, nicht das billigste Pflaster, aber irgendwas würde ich finden. Unterwegs machte ich
mit nem Hotdog kurz auf einer Bank Rast, bevor ich die nächsten Kilometer in Angriff nahm.
Es dauerte dennoch relativ lang, bis ich auf dieser berühmten Straße was gefunden habe, dessen Preis nicht überirdisch war ! Auf meinem Weg kam ich an der
Disco “Queen” vorbei, für die ich mal freiwillig 20 € Eintritt gezahlt hab. Und natürlich lief ich soweit, bis ich am berühmten Nachtclub Lido vorbei kam, dessen Eingang jetzt leider nicht mehr so
verführerisch nostalgisch aussah, sondern eher kühl und modern. Als ich das sah, war ich wirklich enttäuscht.
Ok, mit einigen Litern Wasser unterm Arm und ner Tüte Essen gings mit der Metro zurück zum Hotel. Ich war doch sehr erstaunt, dass ich mich tatsächlich an
der Station “ George V “ befand. Ich konnte es offensichtlich nicht einschätzen, wie weit ich gelaufen bin. Der Rückweg war kein Problem - gegen 19:45 Uhr war ich im Zimmer.
Über die Lärmbelästigung durch den summenden Kühlschrank und die Klimaanlage werde ich nichts weiter erwähnen. Es hielt sich in Grenzen, alles ist besser
als Straßenlärm.
Der Freitag begann leider mit Regen. Na ja, mit Schirm ist das überhaupt nicht schlimm, außerdem hatte ich das perfekte Programm dafür.
Zuerst einmal gings zum Frühstück. Das war ebenfalls sehr viel besser als die Gästebewertungen voraussagten, aber vielleicht ist das alles subjektiv. Mir
reichte das mit allen erdenklichen Köstlichkeiten vollgestopfte 10 Meter lange Büffet voll und ganz. Und obwohl der Raum im Untergeschoß lag, konnte man am Fenster sitzen und auf den kleinen Vorhof rausgucken. Ich
hab schon schlechter gefrühstückt, ganz ehrlich !
Die Metro brachte mich danach zur Station Solférino, die nicht weit vom Musée d’Orsay entfernt liegt. Das Museum öffnet täglich um 9:30 Uhr und ich
war glücklich, dass ich mich bereits gegen 9:00 Uhr in die Schlange einreihen konnte. Das Museum gefiel mir damals als Teenager schon und ich war seit dem nicht mehr hier - was eine Ewigkeit her sein dürfte !
Der Eingangsbereich sieht jetzt natürlich ganz anders aus und die Sicherheitsvorkehrungen sind wesentlich strenger. Jeder muß die Tasche öffnen und wird
eventuell sogar abgetastet, falls irgendwas irgendwo piept. Ich wurde rein gelassen und durfte gleich 8 Euro zahlen.
Ich geb zu, dass ich persönlich nur vage Erinnerungen daran hatte, wie es drinnen aussieht. Im Grunde war ich hauptsächlich wegen der Monet Bilder hier, auf
die ich sehr gespannt war. Ich weiß nicht, ob ich beim Eintreten in irgendeiner Weise abgelenkt war oder warum hab ich den Museumsplan nirgends rumliegen sehen, den - außer mir - natürlich alle anderen hatten ?
In den ersten Minuten lief ich deswegen etwas orientierungslos auf der Suche nach Monet’s Bildern umher. Nach den ersten paar Fotos, kam mir der
Gedanke, dass es sinnvoll sein könnte, der Beschilderung Richtung Impressionismus zu folgen. Was bedeutete, mit der Rolltreppe ins zweite Obergeschoss !
Ich weiß ja selbst, dass ich nicht der geborene Museumsbesucher bin, deswegen kenn ich mich mit Malerei und - Kunst an sich - nicht so gut aus. Ich hab auch
nicht erwartet, dass ich jedes Bild kenne. Umso überraschter war ich, dass ich bereits im ersten Raum, der mit den Werken von Paul Cezanne ausgestattet war, andächtig hindurch schritt.
Im zweiten Raum wurde es allmählich interessanter. Es war die Ausstellung der Van Gogh Werke. Hier kannte ich tatsächlich einige Bilder. Und selbst, wenn
ich nichts gekannt hätte, wäre es sehr beeindruckend gewesen. Diese kräftigen Farben und die Art wie die Bilder gemalt wurden - jeder einzelne Pinselstrich war deutlich erkennbar. (Bei Wikipedia ist nachzulesen,
dass dies typisch für Van Gogh ist. Er benutzte gern kräftige Farben und malte teilweise in Wellenlinien, Spiralen oder Kreisen, was den Bildern mehr Lebendigkeit und Intensität verleiht). Eine Lebendigkeit, die
einen umhaut, wenn man davor steht !
Ich konnte mich allerdings nicht dagegen wehren, zwischendurch in den angrenzenden dritten Raum rüberzuschauen. Sehen, was mich dort erwartet. Plötzlich und
unerwartet entdeckte ich Monet’s Sonnenuntergang über dem Parlament in London ! Ich bin bestimmt noch ne Zeit bei Van Gogh geblieben, bis ich mir e n d l i c h die Bilder angeguckt habe, für die
ich extra hergekommen bin.
Ich kann es kaum in Worte fassen, wie sprachlos ich war, endlich diese Bilder zu sehen ! Die blauen Seerosen, die grünen Seerosen, der Garten in Giverny und
vor allem: das Parlament. Wunderschön.
Dass mich der Anblick dermaßen fesseln könnte, hatte ich nicht erwartet. Ich mußte mich erst mal auf die Holzbank setzen. Es war gerade mal 10 Uhr ! Ich
hatte noch was vor mir - nämlich die anderen Monet Bilder finden, die sich irgendwo in den anderen Etagen versteckten.
In den Räumen danach wurden die Bilder diverser anderer Maler gezeigt, die ich hier nicht weiter erwähnen möchte. In den oberen Etagen lief ich noch ne
Weile hin und her und entdeckte noch ne ganze Menge interessanter Dinge, u. a. Möbelstücke, bzw. ganze Zimmerausstattungen.
Zurück im Erdgeschoss, nahm ich mir am Eingangsbereich erst mal einen der gut sichtbar ausliegenden Museumspläne, von dem großen Stapel der deutschen
Version. Ich muss echt blind gewesen sein !
So fand ich problemlos die fehlenden Bilder und ein paar andere Sachen. Den Shop am Ausgang hab ich natürlich leer gekauft und als ich gegen 12 Uhr wieder
draußen war, hat’s noch immer geregnet. Ich hab mich an die Seite unter’s Dach gestellt und gegessen, was ich bei mir hatte. So konnte ich wunderbar die Menschenmassen beobachten, die sich jetzt auf dem
Vorplatz des Museums unter Regenschirmen drängelten.
Über die Masse an Menschen erschrak ich erst wirklich, als ich mich auf dem Weg zurück zur Station befand. Wie kann man sich nur dort anstellen ? Das ist
doch aussichtslos, jedenfalls dann, wenn man noch vor Sonnenuntergang im Museum sein möchte !
In der Straße, die zur Metro-Station führt, hab ich zu Mittag gegessen. Was Warmes mußte einfach sein !
Da erst ein Drittel des Tages rum war und es absolut nicht aufhören wollte zu regnen, fuhr ich ein paar Stationen von Solférino bis La Muette. In der Nähe
dieser Station liegt das Musée Marmottan-Monet, das eine beachtliche Sammlung ausstellt, die ich nicht verpassen wollte.
Von der Station aus war es ein kleines Stück zu laufen, in der Rue Louis-Boilly, aber ich hatte Zeit. Ganz entspannt und ohne Hektik war es sogar mit Schirm
ein Genuss.
Leider durfte ich in diesem Museum keine Fotos machen. Man muss mir also so glauben, dass ich dort war !
Im Keller des Museums durfte ich mir unglaublich viele Seerosen-Bilder und ein paar andere Gemälde angucken. Das Museum hat - wie der Name schon sagt -
hauptsächlich Bilder von Claude Monet. Das war mir vorher klar. Aber alle auf einmal zu sehen, war sehr beeindruckend. Hier hingen wirklich viele schöne Bilder und viele, die ich kannte - teilweise sogar sehr große
Gemälde, die Wände waren buchstäblich gepflastert mit Monet ! Hatte ich für heute noch nicht genug gesehen ?
Das Museum war sonst eher klein und für die anderen Ausstellungsstücke hatte ich nicht viel übrig. Nicht ohne vorher im Shop was zu kaufen, verlies ich das
Museum gegen 14:00 Uhr und machte mich auf zum nächsten “Indoor-Event” : Der Kino-Aquarium-Mix.
Diesmal fuhr ich zwei Stationen bis Trocadero. Und was mich hier erwartete, hatte ich überhaupt nicht geplant und wurde mir erst bewußt, als ich aus der
Station rauskam und auf der Straße stand. D.h. der Groschen fiel ganz langsam und nach einigen Metern.
Meine Gedanken überschlugen sich, als mir klar war, dass ich wenige Schritte vom EIFFELTURM entfernt war ! Wow, trotz Regens ! Also, der ist ausnahmsweise
mal nicht kleiner als erwartet ! Ich mein, obwohl man das Bauwerk nicht schön finden muss, sollte man sich wenigstens beeindruckt zeigen. Hier am Trocadero-Center ist man ein gutes Stück entfernt - die Seine liegt
dazwischen - und dennoch ist der Turm gewaltig. Sieht man schließlich nicht alle Tage. Außerdem hatte ich es wirklich nicht geplant.....
Mir blieb deshalb nichts anderes übrig, als mit einer Hand in der Tasche zu wühlen, um die Kamera rauszuholen. Mit dem Regenschirm in der anderen Hand ist
das schwierig, aber mit der Zeit entwickelt man erstaunliche Fähigkeiten !
So, nachdem ich versucht hatte, bei diesem miesen Wetter die bestmöglichen Fotos zu machen, konnte ich mich nach dem Cinéaqua umschauen. Ich glaube, es war
so gegen 14:30 Uhr, als ich einer Beschilderung folgte, die mich um eins dieser großen Gebäude herumführte. Für’s nächste Mal entdeckte ich – unten angekommen – eine Abkürzung, aber egal, ich laufe
ja gern !
Der Eintrittspreis von 19,50 € schockte mich diesmal nicht, ich war durch’s Internet vorgewarnt. Da Kino und Unterwasserwelten mich beides
interessiert, war ich sehr auf die Kombination gespannt. Und ich war glücklich, den Schirm einpacken zu können.
Am Eingang mußte man unter einem ca. 4 Meter breiten blau-beleuchteten Wasserstrahl hindurchlaufen, der mit einer Wahnsinns-Geschwindigkeit über einen
hinwegschoß. Allein das war sehr beeindruckend. „Ob man da wohl trocken bleibt ? Ach, nasser als es draußen ist, kann es hier nicht sein !“ Ich hätte ja meinen Schirm aufspannen können !
Nein, ich machte ein paar große Schritte und war – schwupps – auf der anderen Seite – es tröpfelte nur leicht von oben. Auf der anderen
Seite erwarteten mich zahllose Aquarien mit relativ großen Scheiben und beeindruckenden Meerestieren. Ich ließ mir viel Zeit, hab mir alles genau angesehen und stand teilweise minutenlang vor den Becken. Manche
Aquarien waren so groß, dass man das Gefühl hatte, ganz in die Unterwasserwelt abgetaucht zu sein, je länger man davor stand.
Unterbrochen wurde der Rundgang von mehreren Kinosälen, in denen fortlaufend Filme gezeigt wurden. Im ersten Saal lief „Die Rückkehr der Mumie“
natürlich auf französisch mit englischem Untertitel. Ab und zu kam ich an Mit-mach-Aktionen für Kinder vorbei. Manche konnten Zeichentrickfilme synchronisieren und mit Filmtechniken spielen.
Französische Filmplakate von James Bond sind mir aufgefallen, ebenso wie eine große loungige Ecke mit dick-gepolsterten Sofas vor einer riesigen
Glasscheibe, die Plüschvorhänge an der Seite hatte, genau wie im Kino ! Kinder konnten ein ferngesteuertes U-Boot mit Kamera bedienen, das in dem unglaublich großen Becken auf Entdeckungstour ging. Im Hintergrund
lief Musik von Norah Jones und ich entspannte mich in den weichen Kissen.
Ein Stück weiter kam ich am zweiten Kinosaal vorbei, hier lief der Zeichentrickfilm „Arthur und die Minimoys“ ohne Untertitel.
Kurz vorm Ausgang stand ich ein weiteres Mal vor einer riesigen Scheibe. Diesmal gab’s davor eine Reihe Kinosessel, in denen man Platz nehmen durfte.
In diesem Becken waren viele Fische, vor allem viele große Haiarten. Einen davon hatte ich bisher noch nie gesehen. Es war ein 4 Meter langer Ammenhai, der sich allerdings nicht oft blicken ließ.
Das einzige Enttäuschende hier war der Shop am Ausgang. Nicht schlimm, ich muss ja nicht die ganze Zeit über Geld ausgeben !
Wieder draußen vor der Tür stellte ich fest, dass der Regen leicht nachgelassen hatte. Soweit ich weiß zum ersten Mal an diesem Tag, und es war immerhin
16:00 Uhr !
Für die Unterquerung des Eiffelturms wäre besseres Wetter schön gewesen, aber wenn ich so kurz davor bin, bleibt mir fast keine andere Möglichkeit, oder ?
So lief ich mal mit Schirm und mal ohne über die Kreuzung und über die Seine.
Unterm Eiffelturm war trotz des Regens ne Menge los. Ich möchte nicht wissen, wieviel bei heiterer Bewölkung los gewesen wäre ! Für meine Homepage knippste
ich so viele Bilder wie möglich.
In dem angrenzenden Parc du Champs de Mars suchte ich auf dem Stadtplan die nächstgelegene Metro-Station, denn für heute hatte ich wahrlich genügend
Eindrücke gesammelt. Ich entschied mich für die École Militaire, die nicht weit entfernt lag.
In der ersten kleinen Seitenstraße, die mir begegnete, kam ich zufällig an einem Supermarkt vorbei. Die Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen !
Ich deckte mich großzügig mit Flüssigkeit und Nahrung für die nächsten Tage ein. Kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass ich ne Kitchenette im Zimmer habe, was bedeutet: ich habe Teller und Besteck - was liegt
da näher als Mousse au chocolat ?
Mit Sack und Pack gings dann per Metro zurück. Wie an allen darauffolgenden Tagen war ich zwischen 17:30 und 18:00 Uhr zurück im Hotel.
Da ich am Freitag Sonnenbrille und Regenschirm dabei hatte, wollte ich am Samstag auf eins von beiden verzichten. Die Tasche war einfach zu voll.
Am Abend versuchte ich fieberhaft via Videotext eines französischen Senders den Wetterbericht für den kommenden Tag rauszufinden. Meine Übersetzungshilfe
war mir keine große Hilfe und das Wetter im ZDF-Videotext war zu ungenau. Ich mußte mich also auf meine Intuition verlassen – und die sagte mir: besser bei Sonne mit Schirm unterwegs als bei Regen mit
Sonnenbrille ! Also kam der Schirm mit, man weiß ja nie !
Nach nem wunderbaren Frühstück lief ich ab 9:00 Uhr die Rue Amelot in südliche Richtung runter bis zum Place de la Bastille. Den doch recht großen Platz
umrundete ich und mein Weg führte mich weiter an dem Port de Plaisance de Paris Arsenal vorbei – einem Kanal mit Hausbooten. Der Weg war wirklich sehr schön, obwohl sich das Wetter bedeckt hielt – aber
es regnete wenigstens nicht.
Die Sonne kam natürlich erst raus, als ich den Jardin des Plantes betrat. Ich freute mich, endlich mal den botanischen Garten von Paris zu sehen. Mir war
klar, dass es nicht annähernd so groß wie in Kew sein würde. Aber das heißt ja nicht, dass es nicht genauso schön sein kann. Auf die Gewächshäuser war ich gespannt und am Ende sehr enttäuscht, als ich sah, dass dort
Bauarbeiten im Gange waren.
Gefreut haben mich die vielen Dahlien in den Blumenbeeten und so wanderte ich hin und her – mit mittlerweile blauem Himmel über mir. Eine Sonnenbrille
wäre jetzt schön gewesen !
Auf meinem Rundgang entdeckte ich den kleinen Zoo „Le Ménagerie“, der 7 € von mir haben wollte. Bei diesem Wetter muss ich mich nicht lange
entscheiden – es war alles perfekt !
Im Zoo erwarteten mich nicht sehr viele Tiere und besonders keine großen exotischen Tiere, wie Löwen, Giraffen oder Elefanten. Die Käfige waren überwiegend
sehr klein, da sie mit Sicherheit noch aus dem 17. Jahrhundert stammten, in dem der Zoo angelegt wurde. Somit ist er der älteste Zoo der Welt. Natürlich hab ich mir alles genau angesehen und fand im Vivarium
tatsächlich einige ungewöhnliche Tiere.
In der Nähe des Vivariums konnte ich einer deutschen Schulklasse kaum entkommen. Sie kamen zielstrebig hinter mir her und fanden die Schildkröten und
Schlangen „voll stylish“ – was immer das zu bedeuten hat !
Na ja, es war alles sehenswert und ich dehnte den Vormittag bis ca. 11:15 Uhr aus. Besonders gut hat mir die begehbare Voliere gefallen, in der sogar
Kronenkraniche frei umher liefen.
Nachdem ich alles gesehen hatte, suchte ich die mir noch unbekannten Wege im restlichen Garten. Am Ende blieb mir an der Galerie de l’Evolution die
Entscheidung, ob ich wieder Eintritt zahlen möchte (und mich bei dem herrlichen Sonnenschein drinnen aufhalten möchte). Die Ausstellung hätte mich schon interessiert.
Beides mußte ich nach reiflicher Überlegung verneinen, denn ich brauchte was Warmes und wollte weiter. Gerade bei Sonnenschein gibt’s so viel, das man
sich angucken kann oder auch nicht, denn einen geruhsamen Nachmittag auf einer (trockenen !) Bank zu verbringen klingt für mich immer verlockend !
Also ab in den Jardin du Luxembourg. Auf dem Weg zum Gare d’Austerlitz staunte ich – leider nur von aussen – über riesige
Dinosaurier-Skelette im Naturkundemuseum. Ach Mensch, könnte man sich doch alles angucken !
Im Bahnhof hab ich mich mit Nahrung gestärkt und etwas erfrischt, um ein paar Stationen bis Odéon zu fahren.
OK, den Weg bis zur nächsten Grünfläche spare ich mir. Bei herrlichstem Sonnenschein und mit kleinen Schäfchenwolken betrat ich gegen 13:30 Uhr den Jardin
du Luxembourg. Das erste, das ich sah, waren wunderbar bepflanzte Blumenbeete.
Der Garten war sehr gut besucht, es gab fast keine freien Plätze, jedenfalls nicht in der Sonne. Aber da wollte ich auch nicht hin. Erstens hatte ich
vergessen, mich mit Sonnenmilch einzucremen und zweitens fehlte mir die Brille ! Ich hielt mich demnach mehr im Schatten auf, zuerst auf einem der grünen Metallstühle.
Es war noch nicht der perfekte Platz zum Träumen. Ich suchte die Umgebung ab, fand aber auf den ersten Blick nichts besseres. Na ja, ich hatte noch längst
nicht alles erkundet. Deswegen drehte ich die größtmögliche Runde und war erstaunt, dass ich schneller am hinteren Ausgang war als ich erwartete. Ich machte kehrt und war mir sicher, auf dem Rückweg meine
Bank zu finden.
Meine Suche war tatsächlich erfolgreich. Ich belegte die erste freie Bank im Schatten, zwar nicht mit grandioser Aussicht, aber für mich gut genug und die
Möglichkeit, die Gedanken schweifen zu lassen, war nicht ausgeschlossen…. außerdem verlangten meine Füße eine Pause !
Tja, so saß ich da und fing an, die Leute zu beobachten und irgendwann ertappte ich mich dabei, dass ich die Menschen um mich herum überhaupt nicht mehr
bemerkte, sondern mit den Gedanken an einem ganz anderen Ort war. Wovon ich allerdings geträumt habe, wird nicht verraten !
Ach, selbst vom schönsten Platz muss man sich irgendwann erheben. Ich nahm den gleichen Weg zurück zur Metro und fuhr ein paar Stationen bis Les Halles. Die
Möglichkeit, in den Geschäften zu stöbern klang sehr verführerisch. Ich weiß nicht mehr im Einzelnen, wo ich in dem großen Einkaufszentrum rumgelaufen bin.
Ich fand nicht das, was ich suchte und war so enttäuscht, dass ich mir lieber die Gegend drumherum anguckte. Draußen entdeckte ich die kleine Kathedrale
Saint-Eustache, die ich auf keinen Fall unbeachtet links liegen lassen konnte.
Drinnen war alles sehr sehenswert, vor allem, weil die Decke viel höher war als man von draußen vermutet hätte.
Na ja, nachdem ich mir alles in Ruhe angesehen hatte, mischte ich mich draußen unter die Menschen und schlenderte von einem Geschäft zum nächsten. Hier
gab’s endlich was Vernünftiges zu kaufen …… warum hab ich mich denn so zurückgehalten ? Ist doch sonst nicht meine Art !
Am Ende hatte ich keine andere Möglichkeit als von den Massen Richtung Centre Pompidou geschoben zu werden - immer mit einer Hand am Portemonnaie. Die
Kamera hatte ich tief in der Tasche vergraben, sonst hätte ich gern mal ein Foto gemacht. Ich denke, das war besser so, denn ich wollte auf keinen Fall in der Tasche wühlen und womöglich mein Geld loslassen. Also
für Leute mit Panik vor zu vielen Menschen ist das hier nichts !
Es war gegen 16 Uhr, als ich mich auf der Treppe der Kirche St. Merry an der Seite des Centre Pompidou niederließ. Hier befindet sich der Brunnen mit
Figuren von Niki de Saint Phalle. Ich war wirklich sehr gespannt auf diese Ecke der Stadt, denn ich hatte Erinnerungen an den Platz. Umso enttäuschter war ich, dass der Brunnen und der Platz wesentlich kleiner waren
und der Brunnen selbst wenig lebendig wirkte. Es sprudelte kein Wasser, nichts bewegte sich. Schade !
Auf der Treppe überlegte ich meine nächsten Schritte. Ob ich von hier aus bis zum Hotel laufen könnte ? Das Marais-Viertel beginnt auf der anderen
Straßenseite und durch die Rue Rambuteau müsste es laut Plan nicht mehr weit sein, zumindest nicht bis zum nächsten Ruhepunkt: Place des Vosges.
Nach einigen Minuten verließ ich meinen Platz im Schatten und suchte die Rue Rambuteau, die hinter dem Centre Pompidou beginnt.
Auf den ersten paar hundert Metern entdeckte ich zwei geöffnete Supermarchés; die Preise in beiden Märkten waren abenteuerlich. Ich hab nur im zweiten etwas
gekauft. Sonst kam ich an wirklich vielen schnuckeligen Geschäften und Cafés vorbei. In die Geschäfte hätte ich doch besser einen Blick werfen sollen – wenn ich geahnt hätte, was der nächste Tag so bringt.
Ich lief und lief – ohne Kamera, blickte mal rechts und mal links in die kleinen Straßen, bis ich endlich am Place des Vosges ankam. Der Park war
mindestens genauso voll, wie die umliegenden Straßen. Hier gab’s kaum eine freie Stelle auf dem Rasen, aber zum Glück wartete eine Bank auf mich.
So gegen 17 Uhr setzte ich mich und blieb mit Sicherheit ne gute halbe Stunde hier. Bis zum Hotel war’s nicht mehr weit…Da ich nicht bis zum
Sonnenuntergang hier sitzen wollte – selbst wenn’s noch so schön war – bin ich langsam zurück zum Hotel gewandert.
Vor der Reise hatte ich mir zwar ausgesucht und aufgeschrieben, was ich in Paris sehen wollte. Die Reihenfolge konnte ich nicht mit Sicherheit sagen, denn
ich wußte nicht, was mich erwartet und wie lange ich für die einzelnen Stationen brauche. Diese Planungen holte ich abends im Zimmer nach, mit dem aufgeklappten Stadtplan vor der Nase !
Sonntag morgen begann wieder mit der Frage: Sonnenbrille oder Regenschirm ? Der Blick aus dem Fenster verriet: es ist trocken. Also blieb der Schirm diesmal
im Zimmer und ich wagte mich mit der Sonnenbrille im Gepäck vor die Tür.
Aus persönlichen Gründen wollte ich noch einmal die Strecke von der Oper durch die Rue de la paix zum Place Vendome laufen. Der Weg ist nicht gerade der
schlechteste, überall vornehme Geschäfte und vor allem schöne Schaufenster !
An schönen Hotels bin ich ebenfalls vorbei gekommen, wie z.B. dem „The Westin“. Als ich das Eingangsportal sah, blieb mir fast die Luft weg und ich
dachte: “Wow, da checke ich beim nächsten Mal ein !”
Leider hab ich in den Straßen nicht das gefunden, was ich gesucht hatte. Vielleicht hätte ich lieber noch ne andere Straße ablaufen sollen, aber ok, es war
schön und es hat nicht geregnet.
Als mich am Place de la Concorde die ersten Tropfen trafen, dachte ich: „Das ist jetzt ein ganz ungünstiger Zeitpunkt !“ Im kleinen Park an der Champs
Élysées wurde aus den paar Tropfen mehr – es regnete ! Zum Glück konnte ich mich auf eine überdachte Bank retten, bis der Schauer vorüber war. Es war jetzt 9:45 Uhr.
Um hier nicht unnötig viel Zeit zu verlieren, spazierte ich so weit wie möglich unter dem Blätterdach der Kastanienbäume.
Meine Zuversicht auf einen trockenen Tag schwand, als ich beim Überqueren der Champs Élysées erneut von Regentropfen getroffen wurde. „Ob der Virgin
Megastore heute auf hat ? Verkaufen die auch Regenschirme ?“ waren die Fragen, die ich mir stellte. Ich wusste ja, dass die Geschäfte sonntags geschlossen hatten – hoffte aber zugleich, dass es nicht
alle mit den Öffnungszeiten so genau nehmen.
Der Virgin Megastore auf dieser Straße war zu und andere offene Geschäfte hab ich nicht gesehen, vielleicht war’s zu früh am Morgen.
Meine Hoffnung auf den Einsatz der Sonnenbrille gab ich dennoch nicht auf. Immerhin erspähte ich einige blaue Flecken zwischen der sonst dichten
Wolkendecke. Und wenn ich ins Hotel gefahren wäre, um den Schirm zu holen, hätte es garantiert aufgehört zu regnen !
Der Niederschlag hielt sich bisher in Grenzen. Einigermaßen trocken kam ich am Arc de Triomphe an. Auf die Aussichtsplattform wollte ich nicht. Ich sah mich
lieber unten um und überlegte gleichzeitig, wo ich anschließend hingehe, bzw. fahre.
Ich weiß nicht, aus welcher Motivation heraus ich mich für den Weg Richtung Port Dauphine entschied. Vor allem wußte ich nicht, was ich da überhaupt wollte.
Es war gegen 11 Uhr, als ich mich auf den endlos langen Marsch in den Bois de Boulogne begab.
Entscheidungen können nicht immer richtig sein. Vor allem nicht, wenn man zum ersten Mal an einem Ort ist und man nicht weiß, was einen erwartet. Und
diese Erfahrung kann ich mir für’s nächste Mal sparen. Den Bois de Boulogne betrat ich an einer Stelle mit sehr dichtem Unterholz und fehlender Beschilderung.
Am Eingang fühlte ich mich noch sicher, bis ich die ersten Wegkreuzungen passierte und merkte, dass es einfach zu groß ist, um mal eben einen Spaziergang zu
machen. Vor allem, was hätte ich getan, wenn ich mich verlaufen hätte ? Ich war zum Glück nicht allein hier. Einige harmlose Besucher und Jogger überholten mich.
In einem so großen Areal kann man sich zum einen nur auf sich selbst verlassen und zum anderen nicht davon ausgehen, dass man jemanden findet, der bereit
ist zu helfen, falls nötig.
Das Gefühl der Sicherheit änderte sich, als ich in einiger Entfernung auf drei aufeinander folgenden Wegkreuzungen jeweils einen dubiosen Typen stehen sah.
Das kann nicht normal sein. Die machen doch keinen Sonntagsausflug ! Auf wen oder was die gewartet haben, möchte ich gar nicht wissen.
Mit nem mulmigen Gefühl im Bauch schlug ich den am freundlichsten aussehenden Weg nach links ein und war sehr froh, wieder Licht am Ende des Weges zu sehen
und ich sah Autos ! Nie war ich glücklicher, Autos zu sehen !
An einem größeren See nahm ich auf einer Bank Platz und überlegte mir die weitere Vorgehensweise und den schnellsten Weg zurück in die Zivilisation. Hier am
See fühlte ich mich wesentlich besser, allerdings kam ich mir zwischen all den Joggern doch fehl am Platz vor.
Von der nächsten Station wollte ich zum Boulevard Haussmann und zur Galerie Lafayette fahren. “Ob’s da irgendwo geöffnete Geschäfte gibt
?” Warten wir’s ab.
Zuerst einmal gings durch die vornehme Avenue Henri Martin bis zur Station Rue de la Pompe. Es war ca. 12:30 Uhr, als ich an der Zielstation das Tageslicht
erblickte und enttäuscht war, als ich die geschlossenen Türen der Galerie Lafayette sah. Na ja, erst mal was zu essen suchen, das war wichtiger !
Auf dem Boulevard Haussmann schlenderte ich – bei leichtem Niederschlag – an weiteren geschlossenen Läden vorbei und da sah ich auch schon den
nächsten Ruhepunkt: eine willkommene Oase und ein trockener Platz in mollig warmer Umgebung mit leckerem Essen: McDonald’s !
Tja, das musste sein. Ich weiß, es gibt besseres und gesünderes Essen. Hier hatte ich die Möglichkeit, zu sitzen und mir zu überlegen, wo ich den restlichen
Tag verbringen möchte und vom Fensterplatz in der ersten Etage hatte ich einen wunderbaren Ausblick auf den Boulevard.
„Überraschung: es regnet !“ ging mir durch den Kopf, als ich danach auf den Gehweg hinaustrat. Ich lief ein paar Meter, bis ich mich in die Passage
Jouffroy retten konnte. Leider hatte hier nur die Patisserie geöffnet. Dafür waren die Schaufenster der Läden mehr als sehenswert, vollgestopft mit allerlei wunderschönen Dingen.
Ach, wenn man die Schaufenster des Spielzeugladens so sieht, wünscht man sich Kind zu sein ! Und an der Patisserie konnte ich bloß vorbei gehen, weil ich
die Preise in der Auslage gesehen hatte. Wenn es nach dem verführerischen Duft gegangen wäre, der aus der geöffneten Ladentür herauswehte, hätte ich bestimmt bald eins dieser Creme Brulée Törtchen mit Orange und
weißer Schokolade vor mir auf dem Teller liegen gehabt !
In dieser Passage befindet sich der Ausgang des angrenzenden Musée Grevin, einem wunderbar träumerischen Wachsfigurenkabinett. Im November 2002 hatten wir
durch Zufall dieses Museum gefunden und waren auf das Antiquariat in der Passage gestoßen, da es sich in der Nähe des Ausgangs befindet.
Irgendwie hatte ich ein déjà vu, als ich um die Ecke bog und genau dieses Antiquariat wieder sah. Wir hatten damals lange dort herum gestöbert, nach alten
Büchern und Filmplakaten. Dass ich in diesem Urlaub daran vorbei kam, war wirklich nicht geplant und ich fand’s sehr seltsam.
Am Ausgang der Passage konnte ich mein Glück kaum fassen, als ich auf der anderen Straßenseite die Passage Vendeaux entdeckte. Langsam wanderte ich von
Schaufenster zu Schaufenster.
Leider musste ich irgendwann „vor die Tür“. Ich wußte überhaupt nicht mehr, wo ich mich genau befand und war sehr erschrocken darüber, dass sich die
Gegend komplett geändert hatte. Die Häuser sahen ziemlich heruntergekommen aus. Ich mein, für mich muss nichts vornehm und teuer sein, aber sowas ? Es hatte sich schlichtweg alles geändert, nicht nur die
Hausfassaden. Also bloß weg hier !
So schnell es ging, bog ich ab und war am Ende ungefähr da, wo mein Passagen-Ausflug begonnen hatte – auf dem Boulevard de Montmartre Poissonniere,
der Verlängerung des Boulevard Haussmann.
Es hatte mittlerweile richtig zu regnen begonnen und mir blieb nichts anderes übrig, als entweder unter Bäumen oder an Hauswänden entlangzuschlurfen.
So konnte es nicht weitergehen, vor allem konnte ICH nicht so weitergehen. Ich mußte mir was überlegen, ein Museum kam nicht infrage, dafür war es zu spät
und ich wollte nicht in einer kilometerlangen Schlange stehen.
Die einzige, nahegelegene und überdachte Möglichkeit, die mir einfiel, war das Einkaufszentrum Forum Les Halles. Ich hatte gehofft, dass dort ein paar
Geschäfte geöffnet haben. An dem Tag hätte ich mich über jeden noch so kleinen Laden gefreut. Und wenn alles geschlossen hat, war ich zumindest im Trockenen.
Ich nahm den kürzesten Weg durch die Rue Denis und entlang des Boulevard de Sébastopol. Gegen 15 Uhr saß ich dann durchgefroren und aufgeweicht bei einer
Tasse heißem Vanille-Cappuccino und nem Schokoladencroissant in einem Café im Einkaufszentrum.
Nach ner Weile wagte ich mich erneut „vor die Tür“ und freute mich, dass es offensichtlich aufgehört hatte zu regnen. Auf einer Bank an der Saint
Eustache saß ich bis ca. 16 Uhr, bevor ich den einen Laden aufsuchte, in dem ich mich einen Tag zuvor so zurückgehalten hatte. Ich kaufte die Sachen, die ich im Grunde meines Herzens haben wollte und war glücklich
darüber !
In dieser Gegend hatten tatsächlich die Geschäfte offen, vielleicht lag es an der Tageszeit. Ich stöberte ausgiebig in einigen anderen Geschäften und so
langsam füllte sich meine Tasche ! Das tat gut.
Von hier aus konnte es nur eine Richtung geben, das Centre Pompidou. Ich ergriff die günstige Gelegenheit und meine Kamera und knippste die fehlenden
Bilder; es waren längst nicht so viele Menschen hier wie am Samstag.
Danach folgte ich meinem Orientierungssinn durch die Rue Rambuteau, in der ich wiederum an offenen Geschäften vorbei kam. Ich ließ mich nicht lange bitten
und war augenblicklich in dem Laden „La Chaise Longue“ verschwunden. Dort entdeckte ich viele schöne Dinge, wie z. B. zwei Eieruhren für Muttern’s Sammlung.
In den kleinen verwinkelten Kellerräumen gab’s jede Menge kreative Dinge, so auch mit Mosaiksteinen beklebte Vasen – die hätten von mir sein
können ! Ich stellte dem netten Verkäufer einige Fragen zu den Fotoalben, die mich interessierten und ließ mir die zwei schönsten einpacken. Erstaunlich, was man alles erfährt, ohne die Sprache zu beherrschen.
Gegen 17 Uhr saß ich dann auf einer Bank und wo konnte es anders sein als am Place des Vosges ! Die Erfahrung hat gezeigt, dass es besser ist, noch einmal
nachzusehen, welche beiden Alben eingepackt wurden. Und siehe da: eins von beiden wollte ich nicht.
Ich mußte kurz im „Reisewortschatz“ nachsehen, was „umtauschen“ heißt und schon war ich unterwegs zum Geschäft. Ich glaub, der Verkäufer hatte
geahnt, dass er mir ein falsches gegeben hatte. Ein kleines Missverständnis, also war der Umtausch kein Problem.
Ich gehe mal davon aus, dass ich hinterher noch einmal auf der Bank saß. Warum auch nicht, das Wetter ließ es – endlich – zu. Irgendwann danach
war ich im Hotel und bereitete meinen letzten Tag in Paris vor.
Montag begann sehr früh. Ich wollte die letzte Chance nutzen und Notre Dame besuchen, ohne, dass ich hindurch geschoooben werde ! Ehrlich gesagt, war es
sogar wesentlich angenehmer so früh zu frühstücken ! Ausnahmsweise packte ich mir zwei Mini-Schoko-Croissants vom Buffet ein. Irgendwie war mir danach.
Es war also erst 8:10 Uhr, als ich quer über den Vorplatz der Kathedrale auf den Eingang zulief. Drinnen war es relativ still, es war wie erwartet wenig
los. Man durfte sogar Fotos machen, selbstverständlich ohne Blitz. Nach ner Weile setzte ich mich in die erste Reihe und beobachtete, wie vorn am Altar herumgeräumt wurde, nachdem eine Messe vorüber war.
Plötzlich vernahm ich aus Richtung der Orgel einige Töne. Oh, das erinnerte mich an den Augenblick in der St. Paul’s Cathedral in London, als ich in
der ersten Reihe saß und die Orgel gespielt wurde. Hier klang es bei weitem nicht so melodisch, da probierte wohl jemand die Orgelpfeifen aus, es ging die Tonleiter rauf und runter. Na, ich will mich nicht
beschweren, sowas hört man nicht alle Tage.
Außerdem war es beeindruckend, wie hoch die höchsten Töne waren und wie tief die tiefsten ! Besonders in den tieferen Tonlagen klang es sehr dramatisch,
zumal ich währenddessen nochmal aufstand und umherlief. Sich das alles bei der musikalischen Begleitung anzusehen, hat mich fast umgehauen. Ich blieb bis ca. 9 Uhr.
Übrigens gab’s heute strahlenden Sonnenschein, lag wahrscheinlich daran, dass ich den Schirm dabei hatte !
Draußen nutzte ich die letzte Gelegenheit für einen entspannenten und sonnigen Spaziergang an der Seine. An diesem Morgen waren hier nicht viele Menschen
unterwegs.
Ich wollte einen Blick auf die Ile de la cité aus östlicher Richtung werfen, vom linken Seineufer aus.
Hier fand ich, was ich suchte: eine Sitzgelegenheit in der Sonne mit diesem wunderbaren Blick auf’s Wasser (und auf die Insel natürlich). Und das
alles, ohne, dass jemand in der Nähe war - nur für mich und ganz allein. Es war ein sehr schöner Moment !
Um ca. 9:30 Uhr fuhr ich von „Châtelet“ bis „La Fayette“. Ich kann doch nicht abreisen, ohne in diesem Kaufhaus gewesen zu sein ! Im
Untergeschoss fand ich ein paar erstaunlich günstige Sachen. Zwischendurch hatte ich eine verdammt schicke Jeans in der Hand; die hat von oben bis unten geglitzert und vorn hatte sie zusätzlich einen goldenen
Aufdruck.
Ach, in der Jeans hätte mein bezaubernder Hüftschwung bestimmt noch umwerfender ausgesehen ! Aber 150 € gebe ich dafür nicht aus. (Ich sollte mich
diesbezüglich unbedingt mal in London umsehen…)
Nachdem ich unten alles gesehen hatte, fuhr ich in die 6. Etage ins Lafayette-Café. Gegen 10:45 Uhr saß ich mit nem Cappuccino und meinen zwei
Schoko-Crossaints an einem Fensterplatz und genoss einen freien Blick auf Eiffelturm und Oper ! “Was kann es Schöneres geben ?” In dem Augenblick fiel mir jedenfalls nichts ein.
Nachdem ich mich von dem Ausblick und dem Kaufhaus losreißen konnte, fuhr ich von der Station „St. Lazaret“ bis „Abbessess“. Von dort sind es
nur ein paar Schritte bis Montmartre bzw. Sacre-Coeur. Die paar Schritte wären kein Problem, wenn zwischen der Station und Sacre-Coeur nicht gefühlte 500 Stufen liegen würden. Warum bin ich nicht in die Bahn
eingestiegen ?
Mit Schnapp-Atmung und hochrotem Kopf kam ich völlig fertig an der obersten Stufe an, während ich alle anderen total relaxt aus der Kabine des „Lifts“
kommen sah. Ich hatte meine Kondition wohl zu sehr überschätzt.
Auf den Stufen an der Kathedrale fand ich zum Glück noch nen freien Platz. Es war sehr voll und heiß und sonnig hier. Aber der Ausblick entschädigte für
alle Strapazen. Einfach genial, dieses Häusermeer und die vielen einzelnen Wolken darüber... Ich glaub, wenn man die Fotos dazu sieht, versteht man besser, was ich meine....
Ich mußte mir noch überlegen, wie ich den Rest des Tages sinnvoll nutze. Das tat ich hier in der Mittagshitze. Tief im Innern wußte ich in etwa, an welchen
Ort ich zurückkehren wollte.
Auf den Stufen hielt ich es nicht lange aus, die Sonne brannte einfach zu sehr. Der nächste schattige Platz, der mir einfiel, befand sich in der Kirche.
Also bin ich rein und wurde gleich ermahnt, möglichst ruhig zu sein. Für mich kein Problem, aber für die Massen, die sich von links nach rechts durchschoben war es wohl unmöglich, leise zu sein. Auf meinem Platz im
Hauptschiff hörte ich hinter mir immer wieder ein ermahnendes „Shhh“. Es war ungefähr 12 Uhr.
Um 13 Uhr saß ich vor einem Teller voll Ricotta-Ravioli in Creme Fraiche mit Champignons in der 6. Etage der Galerie Lafayette, leider nicht am Fenster. Das
Café war bis auf den letzten Platz gefüllt. Hier saß ich, weil ich die Option hier zu Mittag zu essen schon am Vormittag in Betracht zog, um anschließend erneut durch die Passage Jouffroy zu schlendern.
Nach dieser herrlichen Mahlzeit blieb ich noch in einigen Abteilungen hängen, bevor ich in die Sonne hinaustrat und kurz darauf an den geöffneten Geschäften
in der Passage war. Eigentlich wollte ich im Antiquariat stöbern, jedoch als ich dort war, war mir klar, dass es nur Sinn macht, wenn man nach was Bestimmten sucht.
Ich musste wohl einfach nochmal zu diesem Laden, da ich es nicht begreifen konnte, dass ich den überhaupt entdeckt hatte. Aus der Erinnerung heraus wußte
ich, dass wir mal – irgendwo auf dieser Welt – in einem solchen Laden gewesen waren. Dass das in Paris in dieser Passage war, hatte ich anscheinend verdrängt. Kein Wunder, mit Martina war ich an so
vielen Orten !
Vor der Tür gab’s Postkarten und Filmposter. Das Klappregister mit den Postern war ausgerechnet bei dem von „Mulholland Drive“ aufgeklappt !
„Moment, da war doch was ?“ Vor meinem Urlaub hatte ich mir den Film zum zweiten Mal angesehen, da ich zwischendurch des öfteren gehört hatte, dass der Film wirklich gut sein soll. Ich muss sagen: beim zweiten
Mal hat er mir tatsächlich besser gefallen.
Nach einem Blick auf meinen Stadtplan stellte ich erstaunt fest, dass ganz in der Nähe ein kleiner Park war, den ich noch nicht kannte. Und jetzt war genau
der richtige Zeitpunkt, um auf einer Bank zu sitzen. Durch die Rue Vivienne kam ich gegen 14:30 Uhr im Jardin du Palais Royal an, wo ich mehrere Sitzmöglichkeiten ausprobierte.
Erst auf einem Metallstuhl mit den Füßen am Rand des Springbrunnens und danach auf einer der unbequemen Bänke unter den Bäumen. Dort bin ich lange
geblieben. Es war herrlich, hier konnte ich alle anderen in Ruhe beobachten.
Gegen 15:20 Uhr hatte ich genug beobachtet und erhob mich, um zum nahegelegenen Louvre zu laufen. Mir kam der Gedanke, dass ich von hier aus den Weg zurück
zum Hotel nehmen könnte, auf dem ich am Donnerstag hergekommen bin – so hätte ich meinen Urlaub auf die Art und Weise beenden können wie ich ihn begann. Die Krönung wäre ein Eis vom selben Eisstand an der
Seine. “So schließt sich der Kreis” – es wäre perfekt gewesen !
Meine Euphorie wurde allein durch den Gedanken an den langen Weg getrübt. “Oh je, was hab ich mir dabei bloß gedacht ? Und wo genau war nochmal der
Eisstand ?”
Ich hatte am Donnerstag völlig versäumt an den Ständen der Bouquinisten zu stöbern. Das wollte ich auf diesem Spaziergang nachholen und lief allein dadurch
nicht den selben Weg. Ich fand’s sehr interessant, mir im Vorbeigehen die Stände anzusehen. Stehen blieb ich bei einigen Leinwand-Malereien, die echt gut aussahen. Der Preis war in Ordnung. Einerseits wusste
ich nicht, ob ich zu Hause noch ne passende freie Wand habe und auf der anderen Seite wäre mir eine Entscheidung sicherlich sehr schwer gefallen, die Bilder sahen alle top aus.
Ich versuchte immer wieder vergeblich runter an die Seine zu kommen. Die Treppen zum schönen Fußweg fand ich nicht mehr. Vielleicht hätte ich noch einige
Meter weitergehen müssen. Wenn ich nicht so fix und foxi gewesen wäre, hätte ich mich mit einigen Pausen mit Sicherheit bis zum Eisstand schleppen können.
(Bei Wikipedia ist zu lesen, dass für den “Pariser Strand”, wo ich einige Tage zuvor das Eis gegessen hatte, immer ein 3,5 km langer
Straßenabschnitt gesperrt wird. Der Abschnitt beginnt an der Pont au Change und geht bis zur Pont de Sully. Außerdem steht dort, dass die Sperrung meistens vom 21. Juli bis 21. August dauert, was erklärt, warum ich
dort Autos habe fahren sehen).
Mit großem Bedauern gab ich die Hoffnung auf ein Eis auf und änderte erst die Straßenseite, dann die Richtung. Dort vor Ort wollte ich gar nicht wissen, ob
es noch sehr weit gewesen wäre… Ich hatte mich so entschieden und das war gut so.
Mittlerweile ist es wohl nicht mehr überraschend, wenn ich hier schreibe, dass ich meinen letzten Tag auf dem Place des Vosges ausklingen ließ. Meinen
„roten Faden“ fand ich am Ende wieder, denn hier hatte ich am Donnerstag meinen Spaziergang begonnen.
Um 16:30 Uhr hatte ich mir ne lange Pause auf der Bank redlich verdient. Ich blieb dort ca. eine halbe Stunde, ehe ich ins Hotel zurück ging.
Im Hotel blieb mir die ganzen Tage über kaum eine andere Wahl als die Übertragungen der Olympiade auf Eurosport zu verfolgen, denn für die Vorabendserien
des ZDF hab ich nichts übrig. Ich hatte davon bald genug gesehen und war froh, dass es am Abend zuvor vorbei war. Es waren fast ausschließlich die Mannschaftssportarten, bei denen die Entscheidungen noch ausstanden
und die sind wirklich nicht mein Fall. Wasserspringen war ja leider eine Woche vorher zu Ende gegangen !
An diesem Abend saß ich gelangweilt vor dem flachen Fernseher und schaltete ein paar Kanäle durch. Ich dachte, mein Herz bleibt stehen, als ich bei
Eurosport eine SNOOKER-Übertragung entdeckte ! Wie konnte ich vergessen, dass die Northern Ireland Trophy beginnt ? Das war ne wahre Wohltat, jedenfalls bis 18:00 Uhr, denn die Übertragung war vorüber.
So packte ich langsam alle meine Sachen zusammen, was längst nicht so problematisch war wie in London letztes Mal. Damals machten es besondere Umstände
erforderlich so viel zu kaufen !
Ich mußte mich entscheiden, ob ich am nächsten Morgen sehr früh aufstehe, damit ich noch Zeit habe, irgendwo rumzulaufen bis ich zum Flughafen muss. Oder ob
ich mir Zeit lasse und eventuell früher zum Flughafen fahre, ohne Stress.
Ich entschied mich für die “ohne Stress”-Variante und stieg gegen 9:30 Uhr in die Metro - mit den Linien 4 und 8 zum Gare du Nord und von dort
zum Charles-de-Gaulle-Flughafen.
Ich hoffte auf einen kleinen Shopping-Marathon am Flughafen, um wenigstens etwas von dem vielen Geld auszugeben, das ich mit nach Hause nehmen mußte.
Vielleicht fragt sich der ein oder andere, warum ich überhaupt auf die Preise gucke, wenn ich sowieso genügend Geld bei mir habe. Na, es gibt Dinge, für die gebe ich gern Geld aus, meinetwegen auch etwas mehr. Und
dann gibts Sachen, die sind einfach unverschämt teuer. Ein Cappuccino hat mich meistens 3,50 € gekostet und das winzige Creme Brulee Törtchen hatte einen Wert von 10 € Manchmal ist es besser, man
bezahlt einfach, ohne zu fragen, wieviel es kostet !
Zurück zum Flughafen: Ich konnte es nicht begreifen, dass es nach dem Einchecken nur noch zwei bis drei Essenstände und einen Duty-Free-Shop gab. Völlig
ungläubig bin ich einige Zeit umher gelaufen, fand für mich die Damentoilette und einen heißen Cappuccino (siehe Preisliste oben!), mit dem ich mir die Zeit am Gate vertrieb. Schließlich saß ich direkt am Flugsteig,
was fast noch seltsamer war, jedenfalls für mich.
Am Flughafen Heathrow könnte man sich dagegen tagelang in den Shops aufhalten, bevor man zum Flugsteig gerufen wird, der irgendwo in der Pampa liegt ! Na,
ich will nicht meckern, es gab dafür jede Menge Tageszeitungen umsonst. Und zuviel Trubel um mich herum mag ich nicht unbedingt. Hier konnte ich relaxt auf den Abflug warten und die Zeit verging einigermaßen schnell.
Tja, mein schöner Urlaub war vorbei. Ich kann auf viele eindrucksvolle Erlebnisse zurück blicken, hab gutes und schlechtes Wetter gehabt und das gesehen,
was ich wollte. Was fehlte, war die Frage, die ich mir nach jedem London-Urlaub stelle: Wann komme ich wieder ?
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Das heißt nicht, dass es mir nicht gefallen hat und mir ist vollkommen klar, dass ich an einem anderen Ort auf dieser Welt nicht die gleiche Leidenschaft
fühlen kann wie in London. Bisher bin ich einem solchen Ort nicht begegnet. Aber wer weiß....
Paris eignet sich auf jeden Fall wunderbar zum Rauskommen. Es gibt dort noch sooo viel zu entdecken...
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