|
Meine Zeit auf Jersey
Donnerstag 02. Juli 2009 Flybe - BE1726 - ab Hannover 13:40 Uhr, Ankunft in Southampton 14:30 Uhr
Flybe - BE241 - ab Southampton 17:10 Uhr, Ankunft auf Jersey 18:00 Uhr
Mittwoch 08. Juli 2009 Flybe - BE506 - ab Jersey 12:25 Uhr, Ankunft in Birmingham 13:35 Uhr
Flybe - BE7100 - ab Birmingham 17:30 Uhr, Ankunft in Hannover 20:25 Uhr
The Savoy Hotel, Rouge Bouillon, St. Helier, Jersey, Channel Islands, JE2 3 ZA, Zimmer Nr. 91, 6 Nächte
=========================================================================================================================================
Jersey – die kleine englische Insel im Kanal hatte ich lange im Kopf, bevor ich mich letztendlich zur Buchung entschloß. Ist es das richtige Urlaubsziel, würde ich mich dort
wohlfühlen ? Strandurlaub statt Städtetour ? Noch dazu gestaltete sich die Anreise nicht so einfach wie nach London oder Paris.
Der ausschlaggebende Punkt war die Alternative: drei Wochen Urlaub zu Hause. Der Antrieb war plötzlich da und die Aufregung groß. Auf meinem Zettel standen kaum Planungen für die vollen
fünf Tage. Es blieb also genügend Zeit, um einfach nur auf’s Meer hinauszublicken... den Horizont zu suchen und zu sehen, wo der Himmel den Ozean berührt...
Den Umweg über England hab ich nur mit Unbehagen gebucht. Ein Charterflug war einfach zu teuer.
Southampton erreichte ich etwas verspätet, aber ohne Probleme. An dem kleinen Flughafen herrschte wenig Lärm und keine Hektik, so dass ich relativ ent- und sehr gespannt in der Maschine
Richtung Jersey saß. Der Flug dauerte nicht länger als 40 Minuten.
Beim Blick aus dem Fenster versuchte ich alle Eindrücke von oben aufzusaugen. Erkenne ich etwas ? Wie ist die Landschaft ? Berge und Täler ? Oh ja !
Der quasselnde Taxifahrer brachte mich für 13 Pfund in Rekordzeit ins Hotel. Gegen 18:30 Uhr checkte ich ein und kurz darauf öffnete ich Zimmer Nr. 91 in der ersten Etage. Nicht groß -
nicht klein, aber sehr ruhig und mit Fenster im Bad !
Nach der kurzen Pause versuchte ich mich per Stadtplan, den ich unterwegs am Flughafen eingepackt hatte, durch St. Helier zu schlagen und was zu Essen zu finden. Zufrieden stellte ich
fest, dass es genügend Supermärkte gibt. Verhungern würde ich also nicht.
Ich fand einen “Take-Away” und war eine Stunde später auf dem Weg ins Zimmer.
Freitag morgen begann mit einem ausgewogenen Frühstück in entspannter Atmosphäre. Gegen 9 Uhr war ich dem Strand etwas näher - aber dennoch nicht am Wasser. Hier beträgt der Unterschied
zwischen Ebbe und Flut bis zu 12 m. Enttäuscht war ich nicht, die Aussicht auf die St. Aubin’s Bay und das Elisabeth Castle war trotz Bewölkung herrlich.
Meine Entdeckungstour führte mich an großen Straßen entlang Richtung Touri-Info-Zentrum an der Liberation Station. Von und bis hier fahren alle Buslinien der Insel. Ich wußte zuerst nicht
so recht, was ich im Infozentrum wollte. Ein Fahrrad ausleihen oder den Bus nehmen ? Ok, ich musste mich entscheiden und einen Überblick erhalten. So fragte ich nach den Busrouten und wie das überhaupt hier
funktioniert.
Spontan kaufte ich ein 3-Tages-Ticket und stand bald darauf mit Liniennetzplan im Busterminal. Für das Fahrrad wird ausreichend Zeit sein.
Das einzige, was ich am Freitag oder Samstag erledigen musste, war die Orchideen-Ausstellung. Die Öffnungszeiten hier waren begrenzt. Es war der Ort, der mich am meisten interessierte.
Auf dem Bildschirm mit den Abfahrten suchte ich die Linie, die den Orchideen am nächsten kam und fand sie: Linie 21 zum Victoria Village wird erst um 10:50 Uhr von hier starten.
Nach kurzer Überlegung stieg ich um 9:40 Uhr in die Green Line und verließ den Bus sehr spontan einige Minuten später am Herrensitz mit Parkanlage “Samarès Manor”. Damit wäre
das also abgehakt. Die Anlage ist nicht sehr groß, aber das ist wohl etwas, woran ich mich gewöhnen muss. Ich hab kein zweites Kew Gardens erwartet... es scheint, dass alles außerhalb Londons eher klein auf mich
wirkt.
Gegen 11:00 Uhr verlies ich den Ort zu Fuß in Richtung St. Helier. Ich suchte die nächste Bushaltestelle und je näher “High Noon” kam, umso eher suchte ich was zu essen. Mit
den Bushaltestellen war es so eine Sache. Aber dazu später mehr.
Die Sonne knallte vom wolkenlosen Himmel, als ich endlich im Howard Davis Park ein schattiges Plätzchen erreichte. Hier gab es ein kleines Café, in dem ich mich bis ca. 12:00 Uhr ausruhte
und abkühlte.
Nach dem Essen war es nicht mehr weit bis zur Liberation Station. Der nächste 21er fuhr um 12:25 Uhr. Ok, ich musste mich leicht beeilen, wenn ich heute noch die Orchideen sehen wollte.
Zum ersten Mal fuhr ich auf’s Land. Ich war sehr gespannt, welche Aussichten sich mir bieten würden. Von den engen Straßen wusste ich ja bereits, aber den Bus auf den schmalen
Pisten langfahren zu sehen, war etwas anderes. Ab und zu hielt er irgendwo mittendrin an und jemand stieg ein. (“Ist hier etwa ne Haltestelle ?”) Die Straßen waren nicht breiter als betonierte Feldwege !
Um 12:45 Uhr kam ich an der winzigen “Endhaltestelle” an. Ich hatte das Gefühl in einen luftleeren Raum hinauszugehen, als ich dem Bus entstieg. Nicht zu ruhig !
In absoluter Stille gingen drei Touristen und ich, den als Straße getarnten Fußweg, Richtung Orchid Foundation.
Die Orchideen in der Ausstellung waren sehr exotisch und außergewöhnlich. Leider war das einzige öffentlich zugängliche Gewächshaus nicht so groß wie ich - wieder mal - gehofft hatte.
Insgesamt war alles schön angelegt und sauber gehalten. Nach zwei Runden in der Ausstellung und einer Sichtung der Pflanzen-Aufzucht durch Fensterscheiben verlies ich das schöne Gelände.
Mir blieb fast nichts anderes übrig als an der gleichen Haltestelle auf den nächsten Bus zu warten. Da das aber noch ne Weile dauern sollte, bin ich den asphaltierten Wanderweg entlang
geschlendert, auf dem der Bus sonst fährt.
Ich war auf der hoffnungslosen Suche nach der nächsten Haltestelle, aber in dieser wie ausgestorben wirkenden Gegend war die Wahrscheinlichkeit, tagelang tot überm Zaun zu hängen, weit
höher !
Nach ner Weile befand ich mich am Ausgangspunkt: der Endhaltestelle von Linie 21. Während der halben Stunde, die ich in dieser bewohnten Einöde rumstand und über den Sinn des Lebens
nachdachte, beobachtete ich tatsächlich regen Verkehr auf dieser winzigen Kreuzung.
Einige Autos brausten hupend um die Kurve, obwohl Ausweichmanöver des Gegenverkehrs bei der Geschwindigkeit zwecklos wären. Fahrräder fuhren gemächlich von hier nach dort. Oder Mercedes
Cabrios füllten die Straße komplett aus, die in wenigen Minuten der Bus breitseitig ausfüllen würde.
Wie durch ein Wunder kamen wir ohne Gegenverkehr durch die schmalen Gassen. Gegen 15:00 Uhr stand ich vor dem Eisverkäufer auf dem Liberation Square. Mein Vanilla-Softeis verschlang ich
auf dem Weg Richtung Strand, in der Hoffnung auf me(e)hr Wasser !
Freitag nachmittag hatten meine Füße und ich zum ersten Mal Kontakt mit dem Meer im Golf von St. Malo. Überraschend warmes Wasser umspülte meine bleiche Haut. Leider war dieses Fleckchen
Strand übersät mit Seetang und anderem Gestrüpp, das das Meer angespült hat.
Ich blieb bis 16 Uhr. Schließlich musste ich noch einen Geldautomaten finden, der mir Jersey-Pfund anbietet. In der Innenstadt fand ich mehrere Kreditinstitute auf einem Fleck, so dass
ich beim ersten erfolglosen Abheben mit der Kreditkarte nicht gleich aufgab. Nachdem ich drei- bis viermal erfolglos am Automaten stand, suchte ich ne freundliche Mitarbeiterin hinter Glas.
Mit leichten Schweißperlen auf der Stirn nahm ich viele Minuten später ein dickes Bündel Scheine in Empfang und quittierte lässig den Erhalt. Dass die Bank in der Zwischenzeit schloß und
ich die letzte Kundin war, ist mir erst aufgefallen, als ich durch den Seiteneingang auf die Straße entlassen wurde.
Zwischen 16:30 Uhr und 18:00 Uhr lief ich die King Street rauf und runter und war am Ende des Tages total erledigt im Hotelzimmer. Mit dem Geschrei der großen Möwen schlief ich ein.
Für Samstag hatte ich mir die Strecke Richtung Gorey Castle ausgesucht. Der Bus fuhr um 9:10 Uhr bis zum Gorey Pier.
Auf den meisten Busfahrten wählte ich die Endstation. Auf freier Strecke war es völlig unmöglich, zu sagen wie die Station heißt bzw. welche Station interessant ist. Die meisten
Haltestellen waren durch nichts anderes als die Fahrbahnmarkierung “BUS” gekennzeichnet. Da drunter stand ein 4stelliger Code, z.B. “5487”. Mein Abfahrtsplan gab leider nicht alle Codes preis.
Die Royal Bay of Grouville - die Bucht am Örtchen Gorey - war echt beeindruckend lang gezogen. Mit Wasser hätte es garantiert schöner ausgesehen. So lagen die Boote auf Grund.
Direkt vom Fuße des Gorey Castle (oder Mont Orgueil Castle) hatte man eine umwerfende Aussicht auf’s Meer.
Ich erkundete die Umgebung. Geplant hatte ich eine Wanderung Richtung St. Catherine’s Breakwater. Ich hatte keine Ahnung, ob man überhaupt bis dorthin spazieren gehen kann. Den Weg
suchte ich mir vor Ort, auch wenn dieser manchmal direkt auf der Straße lang führte.
Ohne Fußweg lief ich oft auf der nackten Fahrbahn in Kurven, immer dem Verkehr entgegen. Ok, es war keine viel befahrene Straße, aber immerhin war diese normal breit, mit einer Spur für
jede Richtung.
Wo es ging, nahm ich den entspannteren schmalen Weg am Wasser entlang. In der ersten Bucht am “Anne Port” lockte erneut das Wasser. So langsam bekam ich Übung im Schuhe
ausziehen und Jeans hochkrempeln ! Das Wetter war herrlich.
Mit dem Blick teilweise zu Boden und auf’s Wasser gerichtet schlenderte ich fast allein durch die seichten Wellen. Jede interessante Muschel wurde in einen Schuh geworfen. Hier
entdeckte ich das erste und einzige Mal eine Jakobsmuschel.
Mein Weg führte mich auf Straßen und Fußwegen weiter zur nächsten Bucht: Le Havre de Fer mit dem Archirondel Tower als Sehenswürdigkeit.
An dem Strand gab’s ein Restaurant, in dem ich einen kleinen Tisch am Fenster fand. Es war herrlich, den Blick über’s offene Meer schweifen zu lassen und den Leuten am Strand
zuzusehen.
Nach der Pause setzte ich meinen Weg fort. Obwohl ich nicht genau wusste, wo mein Weg endet und was mich dort erwartet, staunte ich über das, was ich sah: die Landschaft, das Wasser, die
Menschen, die Häuser...
Je näher ich “St. Catherine’s Breakwater” kam, umso mehr fühlte ich mich für einen kurzen Augenblick nach Österreich versetzt. Die Straße teilte zwei massive Felswände
voneinander. Die beeindruckenden Berge waren grün bewachsen.
An einem der Felsen befand sich zur Meerseite hin ein Selbstbedienungscafé nebst Parkplatz, das ich erst nach der “Kaimauer-Begehung” aufsuchte. Insgesamt gab es sehr wenig
Schatten, die Sonne prallte gnadenlos.
Das hielt mich nicht davon ab, die wahnsinnig lange Kaimauer bis zum Ende runterzulaufen. Die Aussicht auf alles rundherum war überwältigend. Ich konnte nicht nur auf die zurückliegenden
Buchten blicken, die ich durchquerte. Besser noch, ich sah Gorey Castle in weiter Ferne - dennoch überraschend nah. Unglaublich, dass ich am Morgen dort gestartet war.
Gegen 13:30 Uhr schlenderte ich mit meinem Vanilla-Softeis herum. Die dunklen Wolken, die ich plötzlich über mir sah, ließen Alarmglocken läuten: ich hatte keinen Schirm dabei !
Eigentlich wollte ich meinen Weg fortsetzen und das möglichst ohne Regen.
Ok, ich wollte nichts riskieren. Ich wußte ja nicht, ob das Insel-Wetter schnell umschlagen kann. Schließlich befand ich mich in einer unbewohnten Gegend, durch die der Bus nur jede
Stunde einmal fährt.
Also brachte mich Linie 1b ins Stadtzentrum von St. Helier zurück. In der Hauptstadt konnte ich natürlich keine dunklen Wolken mehr entdecken ! Demnach war das Wetter viel zu schön, um im
Hotelzimmer zu sitzen. Ich lief durch die Geschäfte, suchte mir was zu essen und trug die Tüten bis zum Strand.
Hier blieb ich ne halbe Stunde sitzen, bis das Wasser kam. Innerhalb weniger Minuten befanden sich die seichten Wellen nicht mehr “da hinten”, sondern “hier
vorne”. Unglaublich, wie schnell das ging. Ich wußte nicht, wie nah das Wasser kommen würde, also war mein Strandbesuch vorerst beendet. Viele verließen mit mir die sandige Fläche.
Ab 17 Uhr hab ich mich im Hotelzimmer liebevoll um die roten Stellen auf meiner Haut gekümmert, die ne Abkühlung verlangten. Offensichtlich war die Sonnenmilch nicht stark genug.
Meine Entdeckungsreise über die Insel hab ich jeden Abend spontan entschieden. Für den nächsten Tag wählte ich möglichst unterschiedliche Strecken und meine Wahl fiel meistens auf Busse,
die kurz nach 9 Uhr morgens losfuhren.
So kam es, dass ich am Sonntag um 9:45 Uhr mit Linie 14 die Station “St. Brelade’s Bay” erreichte. Mir war klar, dass ich dringend ne neue Flasche Sonnenmilch
brauchte. Im nahen Shop fand ich eine Creme mit LSF 30.
Es folgte die gleiche Prozedur, wie die Tage zuvor: Jeans hoch und Schuhe in die Hand.
Mit dem Sommerwind im offenen Haar schlenderte ich wahnsinnig entspannt und glücklich in der schönsten Bucht dieser Insel. Ich genoss die Atmosphäre, die Sonne, die kühlen Wellen und
sammelte zwei Schuhe voll Strandgut.
Um 11:20 Uhr stand ich abfahrbereit an der Haltestelle. Der Busfahrer fragte mich, wo ich hinwolle ! Ääähhh, keine Ahnung ? Ich nannte ihm dann den Endpunkt, ansonsten wäre ich irgendwo
zwischendrin ausgestiegen. “Jersey Pearls” klang verlockend, deshalb blieb ich dabei. Eigentlich wollte ich hauptsächlich die St. Ouen’s Bay sehen.
Ich muss gestehen, dass ich ein paar Reiseführer gekauft und gelesen hatte, dennoch sagte mir “Jersey Pearls” nichts. Vorbereitungen sind wichtig - nicht das Auswendiglernen
des Reiseführers.
Der Busfahrer entpuppte sich als erfolgloser Entertainer. Kurz nach dem Start legte er los. Er unterhielt sein “Publikum” mit allerlei Anekdoten über die Sehenswürdigkeiten
rechts und links der Fahrbahn. So zeigte er uns u.a. das “einzige 5-Sterne-Hotel der Insel”: das Gefängnis ! Mir wäre es lieber gewesen, er hätte öfter auf die Straße gesehen als schräg nach hinten in
den Bus reinzubrüllen.
Die Strecke bis Jersey Pearls bot atem-raubende Ausblicke, besonders auf die St. Ouen’s Bay, die sich nach einer kleinen Kurve vor den Augen der staunenden Touristen ausbreitete. Am
nördlichsten Punkt der Küstenstraße hielt der Bus auf dem Parkplatz vom “Perlenshop”.
Ich stieg aus und fühlte mich wie am Ende der Welt, mitten im Nirgendwo. In dem einzigen Gebäude weit und breit sah ich mich um und fand einen riesigen Schmuckverkauf mit angeschlossenem
Café-Restaurant. Wenigstens gab es hier Futter !
Es war 12 Uhr, als ich vor einem gut gefüllten Teller mit Fleisch, Brot und Salat saß. Das sollte mich bis zum Abend über Wasser halten.
Die Anlage rundherum war sehr schön bepflanzt, hauptsächlich mit lila Schmucklilien, die man auf der Insel häufig findet.
Nach dem Essen hab ich mir den Verkaufsraum näher angesehen, ob da nicht doch was bei ist, was mir gefallen könnte. Ohne was zu kaufen verließ ich das Gelände und wechselte die
Straßenseite.
In der Bucht war ich besonders auf die Muscheln gespannt - da dieser Strand als rau und eher gefährlich gilt.
Bis zur Wasserkante zu laufen war nahezu unmöglich. Bis zu den ersten Pfützen, war es tierisch weit. Wie diese Bucht bei Flut aussieht, interessiert mich sehr. Na, irgendwann vielleicht...
Im Moment lag zwischen mir und dem offenen Meer eine ab und zu durchbrochene Felslandschaft. Ich hatte keine Lust, mich dadurch zu schlängeln. So blieb ich, wo ich war - mehr als eine
Stunde lang.
Um 14:45 Uhr fuhr ich mit der Red Route über’s Land zurück, um ne neue Strecke kennenzulernen.
Bis St. Helier wollte ich nicht zurück. Ich plante, irgendwo unterwegs auszusteigen. Nur wo ? Ich fand leider keinen geeigneten Ort, der belebt genug aussah, um dort die nächste Stunde zu
verweilen. Außerdem fand ich niemanden, der während der 45minütigen Fahrt den Bus freiwillig verlies und ich saß nicht allein drin !
So kam ich gegen 15:30 Uhr in der Hauptstadt an. Strand hatte ich heute genug gesehen, auf den Markt hatte ich keine Lust - was also tun ?
Bevor ich lustlos irgendwo rumsitze, steige ich in die Blue Route und fahre bis zur Lavendel Farm, war mein Gedanke.
Die Farm schließt täglich um 17 Uhr - so wurde mir geraten, an einem anderen Tag wieder zu kommen, damit ich den Rundgang genießen kann.
Ich machte mich zu Fuß auf den Weg zur Hauptstraße. Mir begegnete eine Haltestelle. Ich konnte aber nur ahnen, um welche Station es sich handelt. Ich wußte somit nicht, wann der nächste
Bus kommt bzw. welche Linie hier überhaupt fährt. Durch das System steigt doch kein Mensch durch !
So kam es, dass ich zwei Busse vorbeifahren sah. Ok, bin ich halt zu Fuß runter zur St. Brelade’s Bay gelaufen.
Ich war echt froh, als ich an dem Abend im Hotel war. Meine Füße fühlten sich total heiß und geschwollen an. Ob das an dem vielen Sand lag, der mittlerweile zwischen den Zehen hing ?
Nein, ich hatte Sonnenbrand - wie praktisch ! Jetzt konnte ich den ganzen Abend zeitunglesend auf dem Rand der Badewanne sitzen und meine Füße kühlen.
Montag war Fahrrad-Tag. Auf dem Weg zum Verleih fegte ein ziemlich rauer Wind durch die Straßen, der mich von dem Vorhaben aber nicht abbringen konnte. Ich hätte mich geärgert, wenn ich
auf dieser Insel nicht Fahrrad gefahren wäre. Die ungefähre Route stand fest - was hätte ich stattdessen machen sollen ?
Unglaublich schnell und unkompliziert war ich für einen Tag in den Besitz eines Hollandfahrrades mit Korb gekommen. In dem Verleih wurde ich gut und freundlich beraten. Allerdings war der
Spaß nicht ganz billig: 20 Pfund Gebühr und 20 Pfund Pfand. Ich musste bis 17 Uhr zurück sein.
Da ich mir eine Strecke durch die Stadt schwierig und nervig vorstellte, bin ich auf dem schnellsten Weg zum Strand gefahren. Dort gab es einen wunderbar ausgebauten Radweg.
Ein erhebenes Gefühl von Freiheit lag in der Luft, als ich ab 9 Uhr am Strand entlang fuhr. Der Blick auf’s Wasser war traumhaft genial. An diesem Tag brauchte ich mir um
Abfahrtzeiten und lächerliche Busfahrer keine Gedanken zu machen.
Ich fuhr eine große Runde, Richtung Waterworks Valley - den Berg hoch. Steigungen sind nicht zu vermeiden, wenn man in den Norden möchte. Ich hatte auch kein Problem damit, das Fahrrad
teilweise zu schieben. Das hat ja keiner mitbekommen, weil ich auf dem größten Teil der Strecke komplett allein war.
Was mich bereits am Anfang leicht genervt hat, war das ständige Anhalten, um Fotos zu machen.
Die Ausblicke waren anfangs nicht so spektakulär wie ich gehofft hatte. Ich fuhr meistens der Nase nach oder entschied mich an Kreuzungen für die schönere Strecke. Gleichzeitig musste ich
auf die Richtung achten. Irgendwann kreutzte ich beschilderte Fahrradrouten und folgte größtenteils den Schildern.
Man kann sagen, dass ich mir die endgültige Strecke erst unterwegs suchte. Allerdings musste ich oft anhalten, um mich auf dem gekauften Plan zu orientieren, der wesentlich detaillierter
war als der den ich mir am Flughafen mitnahm.
Mittendrin hab ich angefangen, die Strecke auf dem Plan mit nem Stift nachzumalen, um sie später besser nachvollziehen zu können (nachdem ich bereits 15mal rechts und 13,5 mal links
abgebogen war).
Ab ca. 11 Uhr änderte ich meine grobe Richtung und fuhr bergab - zum Meer. Eine halbe Stunde später saß ich in dem gleichen Café im Howard Davis Park wie am Freitag. Nur diesmal musste
ich einen ordnungsgemäßen Abstellplatz für mein Fahrrad finden. Es gab zum Glück keine Probleme und niemand ist über den Drahtesel gestolpert.
Vom Park aus ging’s auf gut ausgebauten Wegen, zum nächsten Strand. Um 12:35 Uhr saß ich auf der ersten Bank mit Blick auf eine weite sandige Ebene und erholte mich von den
Strapazen der langen Tour - was angesichts des starken Windes nicht einfach war.
Mein Zeitplan ließ es zu, dass ich bis zur St. Clement’s Bay gemütlich weiter fuhr. Die zweite Bank fand ich in der Nähe der Green Island, einem kleinen grünbewachsenen Erdhaufen
vor der Küste. Windig war es hier nicht - es war stürmisch ! Ich bestaunte die neue Sicht auf die Bucht und genoss das prickelnde Gefühl von Sand auf der Haut (und in den Ohren).
Im Laufe der Tage fragte ich mich, warum ich morgens so viel Zeit ins Styling verwendete, wenn nachmittags von meiner Frisur rein gar nichts mehr vorhanden war !
Um 13:30 Uhr steuerte ich einer weiteren Bank entgegen, während mir der Sturm den Sonnenschutz vom Kopf fegte. Am “Le Hocq Point” an der St. Clement’s Bay saß ich dann
solange, bis mir eine dunkle Wolkenfront auffiel. Das gefiel mir ganz und gar nicht.
Ich muss gestehen, dass ich völlig fix und foxi war, als ich um 15 Uhr mein Fahrrad dem rechtmäßigen Besitzer übergab und meine 20 Pfund wieder bekam. Länger hätte ich wirklich nicht
fahren können - das Stück durch die Stadt war Streß pur.
Es war klar, dass ich nichts mehr erledigen werde und keinen Schritt zu weit mache. Unterwegs hab ich sicher nur Lebensmittel gekauft und mich dann ins Hotelzimmer geschleppt.
Wie durch ein Wunder ohne erschöpfungsbedingten Zusammenbruch, den ich allerdings später bekam. Ich konnte mich keinen Zentimeter mehr bewegen.
Am nächsten Morgen konnte ich kaum glauben, dass ich ohne Probleme aufstehen und meinen letzten Tag vorbereiten konnte. Die Entscheidung für den Bus fiel nicht schwer, gerade weil meine
letzten beiden Ziele sehr weit auseinander lagen.
Das Wetter war anfangs eher trüb und immer noch sehr windig. Mit einem Tagesticket nahm ich die erste Linie Richtung Lavendel Farm. Der Direktbus wäre nicht vor 10 Uhr abgefahren.
So kam es, dass ich bereits um 9:05 Uhr abfuhr. Mit dem Stadtplan bewaffnet verfolgte ich die Route so gut es ging, denn ich hatte keine Ahnung, wann die Haltestelle kommt.
Der Fahrer ließ mich genau an dem richtigen Punkt raus. Aber das alles nützte mir wenig, denn ich saß eine halbe Stunde vor dem Eingang rum.
Für den letzten Tag war eins klar: ich werde auf keinen Fall zu viel laufen ! Ganz egal, wie lange ich auf eine Mitfahrgelegenheit warten muss.
Ich war glücklich, als ich endlich bezahlen konnte und auf das Grundstück gelassen wurde. Wie ich von aussen bereits vermutete, war auch diese Anlage nicht sonderlich groß. Die
Gartenfläche hinter dem Eingang machte einen äußerst gepflegten Eindruck, die Blumenbeete und der Rasen: geradezu perfekt.
Schön anzusehen waren die Hühner, Hähne und Tauben, die man füttern durfte. Ich fühlte mich sofort wie zu Hause.
Mein Rundgang führte mich durch die Destillerie, die mir überhaupt nicht gefiel. Hinter einem Absperrseil konnte man direkt jemandem beim destillieren zuschauen. Das hatte mehr was von
“Zur-Schau-stellen” und “auf die Finger gucken” - der Mensch hinter dem Seil hatte jedenfalls mein tiefstes Mitgefühl.
Der Weg durch die Lavendelfelder war lang und gefiel mir besser. Die Wolken und der Wind ließen allerdings keine sommerlichen Gefühle zu. Schade, dass es so ungemütlich war.... dennoch
war es perfekt für meine Unternehmungen, die mich nicht mehr an irgendeinen Strand führen werden.
Mit Blick auf die Uhr kehrte ich zügig in den Shop am Eingang zurück. Ich kaufte, was mir gefiel, ohne auf das Geld zu gucken. Der nächste Bus brachte mich kurz darauf in die Hauptstadt.
Zurück in St. Helier verlor ich keine Zeit und wechselte innerhalb von fünf Minuten die Linie. Ich war also unterwegs zum “Durrell Wildlife”, dem Zoo der Insel. Super, dass es
so nahtlos passte.
Wenn man einen Tag lang vom Bus abhängig ist und mehrere Orte sehen will, sollte man bedenken, dass man durchschnittlich 30 bis 45 Minuten für eine Route einplanen muss. Es war demnach
gut, am Vormittag nicht viel Zeit verschwendet zu haben.
Obwohl ich an dem Morgen so früh unterwegs war und auf der Farm nicht getrödelt habe, war es bereits 12:30 Uhr, als ich im Zoo an der Kasse stand. Es hat dann nicht lange gedauert, bis
ich im Restaurant am Tisch saß. Futter muss sein.
Der Zoo hat mir ingesamt sehr gut gefallen. Die Anlage sah gepflegt aus und war flächenmäßig überschaubar - dennoch groß genug, um den Nachmittag problemlos verbringen zu können. Außerdem
gab es ungewöhnliche Tiere zu sehen, wie z.B. verschiedene Lemuren-Arten und die großen Flughunde.
So verbrachte ich meinen letzten Nachmittag auf dieser Insel. Um 15:45 Uhr verließ ich den Zoo und den Shop.
Ich war um 17 Uhr im Hotel, wo der nicht gepackte Koffer auf mich wartete. Es war gut, dass ich die Fahrradtour auf den Montag gelegt hatte und es am Dienstag ruhig angehen ließ.
Am nächsten Morgen checkte ich vor dem Frühstück aus, denn ich durfte nicht länger als bis 10 Uhr das Zimmer belegen. Ungewöhnlich, aber machbar. Ich ließ meinen Koffer an der Rezeption
zurück und marschierte Richtung Strand.
Am Strand war vom leichten Sommerwind der letzten Woche nichts mehr zu spüren. Ich hatte genügend Zeit zum Herumschlendern, denn am Flughafen musste ich erst gegen 11 Uhr erscheinen. Mir
blieb mehr als eine Stunde, die ich auf wechselnden Bänken verbrachte.
Am Ende fand ich mich mit einem Cappuccino am Fenster des Frégat Cafés wieder. So ließ es sich besser aushalten - der Sturm draußen war ja kaum zu ertragen.
Ich dachte an die zurück liegenden Tage und war glücklich, dass alles so problemlos geklappt hatte. Das Wetter, das Hotel und vor allem die Menschen, die mir immer sehr freundlich
begegnet waren. Egal, ob die nett lächelnden Busfahrer oder der grüßende Postbote, an dem ich mit dem Fahrrad vorbei kam. Ebenso erstaunt hat mich, dass alle Fahrgäste dem Busfahrer “Danke und einen schönen
Tag” sagen, wenn er sie ordnungsgemäß an der Endstation raus lässt.
Grundsätzlich war vieles ähnlich dem britischen Festland, bzw. ich bemerkte Parallelen zu meinen Urlauben in London. Ich kaufte bei Boots und las die Daily Mail.
Außerdem waren der Linksverkehr, die Straßenbemalung “Look left Look right” und die Ampelanlagen - ich möchte fast sagen: originalgetreu. Absolut identisch eben.
Von einer Insel, die dichter an Frankreich als an England liegt, hab ich das in der Form nicht erwartet.
Nun, es war Zeit meinen Koffer zu holen und um ein Taxi zu bitten. Der Fahrer brachte mich mit ner gezwungenen Unterhaltung zum Flughafen und wünschte mir nen guten Flug.
An der Sicherheitskontrolle wurde meine kleine Schultertasche auf Herz und Nieren geprüft, aus- und eingepackt und mehrere Male durch den Scanner geschoben. Handy und Kamera musste ich
einschalten !!! Noch nie zuvor wurde mein Gepäck so gründlich untersucht. Ich war kurz davor zu sagen: “Die Sprengsätze sind im Koffer !”
Den Rückflug hatte ich über Birmingham gebucht, was mir nicht gefiel und ich nicht ändern konnte. Der “Southampton-Flug” wäre morgens um 7 Uhr gewesen, das gefiel mir weit
weniger ! So hob mich die Mittagsmaschine in die Lüfte und zeigte mir nen grandiosen Ausblick auf das kleine Eiland.
In Birmingham blieben mir drei volle Stunden, die nur am Ende nervig wurden. Der Flug wurde sehr spät aufgerufen.
Um 20:30 Uhr landete ich in Hannover.
In Zukunft würde ich evtl. in einen Charterflug investieren. Natürlich ist es ohne Umsteigen weniger stressig, ganz egal wie die Umstände an den Flughäfen sind.
Wir werden sehen, was die Zeit bringt. Ich hoffe auf weitere Urlaube auf den Kanalinseln.
|