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LONDON

 

Montag, 24. Mai 2010 / British Midland - BD 816 - ab Hannover 11:20 Uhr, Ankunft in Heathrow 12:05 Uhr GMT

Sonntag, 30. Mai 2010 / British Midland - BD 819 - ab London 16:10 Uhr, Ankunft in Hannover 18:45 Uhr MEZ

Millennium Gloucester Hotel, 4 18 Harrington Gardens, SW 7 4 LH, London, 6 Nächte

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Meine Reise nach London… tja, die wie vielte ist es eigentlich ? –  beschenkte mich mit ein paar sonnenreichen Tagen, einmaligen Erlebnissen und tollen Aussichten. Aber der Reihe nach !

Montag, 24. Mai, strahlendblauer Himmel bei 30 Grad: ich sitze im Flieger und sehe das Temperate House in Kew Gardens unter mir. Genialer gehts kaum ! Lasst mich raus – ich springe !!! wollte ich schon rufen, als wir kurz darauf in Heathrow auf den Boden aufsetzten. Na ja, die Kew Gardens und ich, wir sehen uns wieder.

Im Hotel bekam ich Zimmer 142 in der ersten Etage. Wahrscheinlich das erste und letzte Londoner Zimmer, mit dem kürzesten Weg von unten nach oben. Zimmer und Bad waren wie immer toll. Vor dem Fenster, das sich wieder fast kaum öffnen ließ, blickte ich auf eine hohe Mauer, die offensichtlich den Verkehrslärm abhalten sollte. Na ja, für den Augenblick wars ruhig. Die Verbindungstür zum Nachbarzimmer begeisterte mich weniger.

Aus naheliegenden Gründen war ich ganz schnell auf dem Weg in den Park. Gegen 14 Uhr ergatterte ich zum Glück noch ein winziges freies Plätzchen auf einer Bank. Für den ersten halben Tag stehen nur kurze kleine Dinge zur Erledigung auf dem Plan. Ziele, die zu Fuß vom Park aus, gut zu erreichen sind. Die Ziele zu wählen fiel mir nicht schwer.

In optimaler Fußmarsch-Weite liegt z.B. der CD-Laden FOPP, dem ich wieder das halbe Sortiment abkaufte. Auf dem Weg dorthin hatte ich garantiert ein Eis in der Hand, so wie ich mich kenne. Man kann diesen Verführungen ja kaum ausweichen !

Von FOPP an der Charing Cross Road ist es nicht weit bis zum Britischen Museum. Dort wurden – natürlich in Zusammenarbeit mit Kew Gardens – süd-afrikanische Pflanzen ausgestellt. Das wollte ich mir ansehen. Ich erwartete einen kleinen überschaubaren Bereich, dafür ohne Eintritt. Da man ins Museum selbst kostenfrei und ohne Taschenkontrolle reinkommt, hab ich mir das Innere noch einmal angesehen. Das kenne ich schon, aber ich brauchte kurzzeitigen Schutz vor der Sonne.

Danach bin ich bis zur Russel Square Station gelatscht, um mit der Piccadilly Line zurück zur Gloucester Road zu fahren. Ab 16:30 Uhr hab ich mich bei Waitrose im Laden aufgehalten. Ach, ich liebe englische Supermärkte !!! Irgendwann lass ich mich drin einschließen !

Das war mein Montag. Im Nachhinein wäre der Sonnenuntergang garantiert sehenswert gewesen. Es gab sicher nen Grund, warum ich das hab sausen lassen.

Nach einer kaum geschlafenen Nacht erwachte ich Dienstag so früh wie immer. Um richtig wach zu werden und die Wetteraussichten zu prüfen, war der Fernseher schnell eingeschaltet. Das erste, das ich sah und mich stutzig machte, war ein BBC-Reporter, der – live – von den offensichtlich leer gefegten Straßen am Parlament berichtete. Kurz darauf wurde die Queen in ihrer Wahnsinns-Kutsche eingeblendet und ich begriff, dass das eine was mit dem anderen zu tun haben musste.

Zwischendurch meinte ich, die Worte three and a half hours, gehört zu haben. Das wäre also 10 Uhr. Ich muss doch mal gucken, was da los ist und das könnte ich schaffen ! Wo ich doch sowieso in der Westminster umsteigen wollte.

Vor dem Frühstück musste ich mich allerdings um ein neues Zimmer bemühen. Der Lärm von draußen und vom Flur war mir unerträglich. Ich stopfte alle Habseligkeiten irgendwo hinein und ging die paar Stufen zur Rezeption runter. Der junge Mann konnte mir allerdings keine zufriedenstellende Antwort geben, da es für seine Begriffe noch zu früh am Tag war. Die Gäste hätten noch nicht ein- oder ausgecheckt.

Ja, was interessiert mich das denn ? Ich solle es gegen Mittag noch einmal probieren.

Am Parlament war ich dann also schon ab 9 Uhr. Vom Ausgang der Station lief ich der Masse einfach hinterher, bis ich am perfekten Platz war – im, für die Presse abgesperrten Bereich. Zu dem Zeitpunkt wusste ich das noch nicht.

Von einer Bank aus beobachtete ich das Geschehen um mich herum. Es dauerte nicht lange, bis sich ein Schwarzafrikaner auf die Bank neben mir setzte. Minuten später begann die gezwungene Konversation, als er mich fragte, ob ich ihn fotografieren könne. Das war absolut kein Problem – ich hatte ja nichts zu tun.

Er fragte mich tausend Dinge, die meisten wollte ich nicht beantworten. Wann die Queen auftaucht, konnte er mir leider nicht sagen. Als er mich nach meinem Namen fragte, dachte ich nur: was geht Dich das an ? Ich machte mich freundlicherweise aus dem Staub.

Ach, immer diese aufdringlichen Kerle !

Auf einer Mauer, ziemlich genau unter der BBC-Kamera, saß ich einige Minuten, bis mich eine französische Touristin ansprach. Ich erklärte ihr, dass hier offensichtlich der beste Platz sein müsse, denn die Kameras stehen schließlich auch hier !

Keine fünf Minuten später wurde ich von zwei bis drei Polizisten nach meinem Presse-Ausweis gefragt !!! Ääähh… den hab ich gerade nicht dabei !

Ok, ganz sowas hab ich nicht gesagt. Ich betonte, dass ich nicht wusste, dass der Bereich abgesperrt sei. Woher auch, wenn vor einer Stunde noch alle Welt dadurch marschieren durfte !

Ich sprach mit mehreren Leuten, die mich im Zick-Zack weitläufig um das gesamte Gebiet herum schickten. Nur am Ende des kilometerlangen Weges, kurz vor meiner endgültigen Warteposition fand ich zwei gesprächigere Menschen.

Zuerst sprach ich eine junge Polizistin hinter der doppelte Absperrung auf der Straße an. Sie war selbst ganz aufgeregt und sagte, es sei ihr erstes Mal. Aber der alte Mann neben mir auf dem Bürgersteig konnte mir zufriedenstellend detailiert erklären, was sich hier abspielen wird. Er sah aus, als hätte er jede Parlamentseröffnung seit 1952 miterlebt.

Er nannte mir den Weg der Queen, so, wie er eigentlich nur logisch wäre. Sie wird ja nicht irgendeine Straße entlang kutschiert, sondern die die sie immer Richtung Innenstand nimmt: The Mall. Danach gings über den großen freien Horse Guards Parade Platz, auf dem jedes Jahr die Geburtstagsfeier zelebriert wird. Dann gehts für sie rechts ab auf die Straße Whitehall bis zum Parlament.

Es war erst gegen 9:30 Uhr als er mir sagte, sie würde wohl gegen 10:30 Uhr erscheinen. Oh mann, noch eine Stunde !

Mir bliebe sogar noch genügend Zeit, um mich für das perfekte Foto an der Mall zu platzieren. Die Kulisse wäre dort schöner. Aber ich hatte absolut keine Lust, soweit zu laufen ! Hier war es doch schön genug.

So schön nämlich, dass sich noch ein weiterer Schwarzafrikaner von mir fotografieren lassen wollte ! Sach mal, was ich bloß los ? Na ja, lieber von mir als mit mir ! Aber der war nicht so aufdringlich.

Um 10:05 Uhr gings mit dem Spektakel dann auch schon los. Als von linker Hand die Blaskapelle der roten Männer mit den Pelzmützen kamen, konnte ich die Tränen kaum zurück halten. Dass ich das noch erleben durfte !!! All die Jahre in dieser Stadt und heute sehe ich die Queen !.

Die Blaskapelle stellte sich links von mir auf und bespielte mich mit aktuellen Pop-Songs. Die Soldaten, die der Kapelle folgten positionierten sich in regelmäßigem Abstand an die doppelte Absperrung neben den Polizisten. Also sicherer gehts ja wohl kaum.

Französische Teenager drängten sich neben mich, wollten mich fast vom mühsam ausgesuchten Platz verscheuchen. Gut, dass sie irgendwann weiter gingen. Aber die Reihen wurden dichter. Rechts von mir stellte sich ein italienisches Paar, die mich fragten, was los sei, was passieren wird und ob es sich lohnen würde.

Bevor der ganze Umzug los ging, sah ich in  meiner Nähe, zwei gut gekleidete Männer, umringt von mehreren Personen und einer Fernsehkamera über die Straße gehen. Das waren David Cameron und Nick Clegg.

Dann kam die erste Kutsche. Alle waren total begeistert und erstaunt, wieviel für die Queen veranstaltet wurde. Nur, damit sie gemäß der Tradition im Parlament die Haushaltsbeschlüsse für das nächste Jahr von einem Zettel abliest.

Alle Kutschen wurden begleitet von unzähligen Reitern, was mächtig pompös aussah. Einmal sah es so aus als käme die Queen vorbei gezogen. Leider war es nur die Krone, die sie bei der Zeremonie traditionell trägt. Damit das wertvolle Ding nicht abhanden kommt, wurde auch diese Kutsche von einer Reiterstaffel begleitet.

So lang hat es nicht mehr gedauert. Etwa gegen 11:10 Uhr sahen wir Reiter auf weißen Pferden und wußten sofort: das muss sie sein ! Meine Kamera hatte bis dahin einen guten Job geleistet. Kurz vorher allerdings wollte der Akku fast schlapp machen. Im entscheidenden Augenblick hab ich lieber in die Kutsche geguckt und nicht irgendwo anders hin. Sie und Prinz Philipp schienen eher gelangweilt zu sein. Aber nach dem 56. Mal ist wohl jegliche Aufgeregtheit verschwunden.

Danach kamen viele Kutschen mit Menschen, die ich nicht kannte. Es war aber trotzdem alles ganz toll !

Als alles vorbei war, freuten sich die beiden Italiener riesig und das hat mich wiederum sehr gefreut. Vor allem hat es mich gefreut, dass ich gerade die Queen gesehen habe !

Natürlich hätte man noch drauf warten können, bis die Zeremonie im Parlament beendet ist. Schließlich muss sie auf gleichem Wege wieder nach Hause. Aber ich hatte noch was anderes vor und so lief ich Richtung Embankment und fuhr von dort eine Station bis Bahnhof Waterloo.

Ich hatte erfahren, dass von dort S-Bahnen in südwestliche Richtung fahren, in die man problemlos mit der Oyster Card einsteigen kann. Man stempelt sich also ein und aus, ohne über den Ticketpreis nachzudenken, genau wie bei der U-Bahn.

Die südwestliche Richtung (entlang der Themse) gefällt mir, es gibt da mehrere Stationen, die ich mir mal ansehen möchte. Allein der Bereich Strawberry Hill (Erdbeerhügel) hört sich schon toll an. Genauso ging es mir mit dem kleinen Ort Kingston-upon-Thames. Als die S-Bahn da durchfuhr, sah ich allerdings nichts romantisch Verspieltes. Evtl. sollte man mal aussteigen und nachsehen !

Es zog mich allerdings zur Endstation: Hampton Court. Gegen 12:35 Uhr, also 35 Minuten nach Abfahrt, stieg ich in der Nähe des gleichnamigen Palastes aus. Über die Brücke und am Haupteingang vorbei suchte ich mir den Weg zum Bushy Park. Das Wetter war perfekt.

Besonders beeindruckend war die Chestnut Avenue quer durch den Park und die Krönung des ganzen: die Diana Fountain mittendrin. Ein riesiger See, eingerahmt von einer Straße. Mit dem Auto drumherum zu fahren, muss toll sein. Kreisverkehr mal anders !

Den gesamten Park zu erkunden wäre zuviel, jedenfalls zuviel für einen halben Tag. Mit 445 Hektar immerhin der zweitgrößte der königlichen Parks. Ich lief querfeldein und orientierte mich an den Pheasantry Woodlands Gardens – vielmehr an dem Café, das sich dort befindet.

Die umzäunte Waldfläche bot den ersehnten Schatten, schöne Pflanzen und ein kleines Gewässer. Es war gut besucht, aber nicht zu voll. Im Café suchte ich die leckersten Dinge und plante den Rest des Tages am Tisch.

Ob ich es wohl schaffen würde, quer durch den Park bis zur Station Hampton Wick zu laufen ? Wann fährt eigentlich die letzte Bahn ?

So viel hatte ich bisher ja noch nicht gesehen und jetzt auf direktem Wege zur nächstgelegenen Station ? Nein, etwas Zeit blieb mir noch.

14:30 Uhr stand ich vom Tisch auf und setzte meinen Weg Richtung Hampton Wick fort. Auf der Strecke zur Station kreuzte Dammwild meinen Weg. Ich lief über mehr oder weniger schattige Flecken, entlang einiger Seen und vorbei an endlosen Wiesen.

Bereits kurz nach 15 Uhr stand ich an der Station und wartete auf die nächste Bahn. Um 15:45 Uhr stieg ich eine Station vor Waterloo, nämlich in Vauxhall, aus. An dieser kleinen Station war es weit weniger hektisch. Über die Victoria Line erreichte ich meinen Heimathafen etwas eher.

Am Abend suchte ich mir die Beschäftigung für den nächsten Tag. Der Verkehrslärm drang von draußen rein, als ich verdächtige Geräusche von nebenan hörte. Oh, na die scheinen ja Spaß zu haben da drüben… So wendete ich mich wieder der Planung für morgen zu und zappte durch die Fernsehkanäle.

Letztendlich entschied ich mich für den Thames Path zwischen Hammersmith Bridge und… mal sehen, wie weit ich komme.

Ab ca. 9 Uhr war ich also auf dem Weg am Fluss. Ich lief mitten durch die Pampa, begegnete wie immer Joggern und Gassi-Gehern und fragte mich teilweise, warum es mich ausgerechnet hier her zog. So spannend war es nicht. Gut, das Wetter war es auch nicht. Vielleicht lag es daran.

Auf der Suche nach der nächsten Station musste ich noch einem hilfsbereiten Londoner erklären, warum ich hier war, bzw. was ich mir hier angucken wollte. Um ehrlich zu sein:  mich hatte der Begriff Dukes Meadows angelockt. Ich wollte einfach mal sehen, was da(s) ist. Er meinte, da sei nichts zu sehen. Sehr peinliche Aktion.

Das dort tatsächlich nichts zu sehen gab, hab ich dann schnell selber festgestellt. Offenbar war es eine große umzäunte, teilweise bebaute Fläche, evtl. Sportplätze und Kleingärten.

Gegen 10:45 Uhr fand ich auf der Great Chertsey Road die Haltestelle des 190er, der mich zurück zur Hammersmith Station brachte.

Über irgendwas, wo man sich aufwärmen konnte, hätte ich mich sehr gefreut. Für Ende Mai war es definitiv zu kühl. Ich überlegte, ob nicht irgendwas warmes auf meinem Wochenplan stand. Oh, wie wärs mit der Schmetterlings-Ausstellung ? Das muss doch wohl reichen !

Am Natural History Museum gab es die gleiche Ausstellung wie im letzten Jahr. Ich wollte den Besuch dort eigentlich mit einer anderen Ausstellung verbinden. Aber das war mir jetzt gleichgültig. So ließen sich am Nachmittag noch mehrere kleine, kurze Dinge erledigen.

Bevor es allerdings soweit war, lud ich allen überflüssigen Ballast im Zimmer ab. Ich tauschte die große Canon gegen die kleine und freute mich über das schöner werdende Wetter.

Zwischen 12:00 und 12:45 Uhr zog ich mich halbnackig aus, um die fliegenden Insekten zu bewundern. Danach aß ich etwas am mobilen Essensstand außerhalb des Museums.

Ab 13 Uhr benutzte ich die Bahn bis zum Park, in dem ich mich etwas erholte, bevor ich wie ne Wilde durch die Innenstadt rannte. Auf meinem langen langen Weg begleiteten mich ab und zu kleine bemalte Dickhäuter, die zur Erhaltung der asiatischen Elefanten aufgestellt wurden. Schön anzusehen.

Über Trafalgar Square erreichte ich bald das Somerset House. Den Innenhof dieses riesigen alten Gemäuers war Schauplatz in dem Film Liebe auf den zweiten Blick mit Dustin Hofman. Ok, nicht gerade der absolute Knaller, aber immerhin sehenswert genug, um hier auf wahrscheinlich demselben Stuhl Platz zu nehmen, auf dem Dustin schon saß. Ich hatte ja damals im Oktober 2007 die Dreharbeiten zu einer winzigen Szene an der Themse beobachtet. Mehr hab ich mit dem Film aber nicht am Hut !

Hier empfängt einen herrliche Stille, ein Kontrast zum lärmenden Verkehr jenseits der dicken Mauern des Torbogens. Das einzige vernehmbare Geräusch ist das Plätschern der unzähligen kleinen Wasserfontänen.

Tja, und wenn ich schon so dicht dran bin… kann ich ja nochmal zu FOPP ! Mir fehlt da noch die andere Hälfte des Sortiments.

So kam es, dass ich ab 16 Uhr vom Leicester Square zurück gefahren bin. Auf mich wartete das laute Zimmer mit der Verbindungstür. In der Mittagszeit hätte ich erneut die Chance gehabt, nach einem ruhigen Zimmer zu fragen.  Na ja, aus irgendeinem Grund konnte oder wollte ich nicht. So stellte ich mich auf ne laute Nacht ein und versuchte trotz allem, etwas zu schlafen.

Der Donnerstag war schon seit langem ausgebucht. Ich war seit einigen Monaten im Besitz eines  Tickets für die Chelsea Flower Show !

Den Weg zum Gelände kannte ich nicht so haargenau und wo ist der Eingang ? Ich wußte nur, dass Station Sloane Square am nächsten dran ist. Alles andere muss und wird sich vor Ort ergeben. Wie konnte ich daran zweifeln ? Ob es schon in der Station einen Hinweis gibt ? Nicht doch !

Die Wand an der Rolltreppe vom Bahnsteig zum Ausgang war gepflastert mit Plakaten des Sponsors. Oben angekommen empfingen mich künstliche Bäumchen und am Ausgang der Station war ne fette Wegbeschreibung. Aha, also Royal Hospital Road…

An der ersten Ampel standen vor mir einige Frauen, die sich über den Weg zum Eingang unterhielten. Erst dachte ich, ich bräuchte nur hinterher zu eiern, aber sie schienen sich nicht einig zu sein.

Die Wegbeschreibung war zwar unmissverständlich; durch das Getrasche der Tanten war ich doch so verunsichert, dass ich einen kleinen Umweg an der Saatchi-Gallery vorbei nahm. War nicht weiter schlimm. Jetzt weiß ich also auch, wo sich ein Kath Kidston-Taschenladen befindet. Wer weiß, wozu ich diese Information noch einmal gebrauchen könnte !

In einer so großen Stadt ist es von Vorteil, wenn man nicht nur weiß, wo sich ein bestimmtes Gelände befindet, sondern auch wie man direkt zum Eingang kommt. Die Wege können teilweise sehr weit sein.

Gegen 8:45 Uhr betrat ich endlich das Gelände. Natürlich gab es eine Taschenkontrolle !

Juuchuuu, ich bin bei der Chelsea Flower Show. Die wollte ich schon immer sehen !!! Gut, der Eintrittspreis kann den einen oder anderen abschrecken, aber hey, das ist es mir wert !

Und so einen Katalog muss ich auch haben !

Als ich den Plan vom Gelände sah, blieb mir die Spucke weg. Ach Du meine Güte ! Wo fang ich jetzt zuerst an ? Nicht zu großes Gelände !

Gleich zu Beginn bemerkte ich die überaus vielen Kameras, besonders an dem Sieger-Garten ganz vorn. Dort war es selbst am Nachmittag noch überfüllt. Ich hab insgeheim gehofft, auf meinen Lieblingsmoderator meiner Life + Style London-Sendung zu treffen. Aber der war offensichtlich am Vortag dort ! Schade !

Auch zwischendurch begegneten einen immer wieder Fernsehkameras. Scheint ein wahres Medienspektakel zu sein. Die Menschen strömten herbei und drängten sich von Stand zu Stand.

Auf der einen Seite waren da die unzähligen Schaugärten, die jedes Jahr neu sind und prämiert werden. Dann waren da die vielen normalen Stände, große und kleine, mit wunderschönen Gewächshäusern (Ich will auch so eins!), kleinen Gartengeräten, allerhand Schnick-Schnack und alles was man sich im Garten vorstellen kann. Es gab sogar Dinge, die bis dahin über meine Vorstellungskraft hinaus gingen.

Kurz gesagt: es gab mehr als sich ein vernünftiger Mensch für den Garten wünschen kann.

Als ich den großen Pavillion betrat, wäre ich fast über meine Füße gestolpert ! Ach Du meine Güte ! Nicht zu viele Blumen ! Wer soll die denn alle fotografieren ?

Ich brauchte eine kurze Eingewöhnungs- und Orientierungsphase, bis ich relativ strategisch vorging. Schließlich wollte ich keinen Stand verpassen.

Der große Pavillion voller Blumen wurde von mir systematisch durchkämmt und unter die Lupe genommen. Es wurde keine einzige Blume übersehen. Am Ende versuchte ich nur noch, die meisten Blumen als Gruppenfoto mit nach Hause zu nehmen.

Zurück am Haupteingang fand ich gegen Mittag zum Glück einen passablen aber überfüllten Pausenraum. Hier bestellte ich mir  das gleiche wie die Dame vor mir, bitte ! und gesellte mich zu einer Gruppe Frauen an den Tisch. Was anderes war hier nicht möglich.

Auf dem Teller hatte ich ne große mit sehr vielen Zwiebeln und geriebenem Käse gefüllten Ofenkartoffel.

An dem Souvenir-Stand der Royal Horticultural Society verliebte ich mich innerhalb von Sekunden in einige Dinge, wie z.B. eine kleine weiße Baumwoll-Tasche, die ich seitdem nicht mehr aus den Augen lasse.

Natürlich lief ich mit den Gedanken herum, etwas zu kaufen. Man kann doch nicht hier sein und mit leerer Tasche wieder nach Hause fahren ! Das kam überhaupt nicht infrage. Und ich hatte keine Probleme damit, Geld auszugeben.

Ok, es musste jetzt nicht der plastische Riesen-Gorilla für den Vorgarten sein. Aber so ein romantisches Gewächshaus... das wär schon was !

Den ein oder anderen Weg lief ich doppelt, um nicht irgendwas Schönes übersehen zu haben.

Leider waren am Nachmittag die meisten Schaugärten völlig überfüllt. Ich konnte nur eingeklemmt zwischen tausenden Besuchern ein paar Fotos machen - hätte gern etwas bessere und entspanntere Bilder gemacht, ohne von allen Seiten angerempelt zu werden.

Nach dem Gewühl an den Schaugärten brauchte ich ... na, was schon: ein Eis !!!

Ich suchte mir zwei Kugeln aus und flüchte auf die freien Zentimeter einer Mauer unter einem blühenden Baum.

Es dauerte nicht lang, bis die ersten überwiegend mittel- bis ganz alten Frauen - meistens in Gruppen - auftauchten, die voller Bewunderung für diesen Baum vor mir stehen blieben. Manche entschuldigten sich sogar.

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Irgendwann wurde mir das zu bunt. Ich mischte mich wieder zwischen die vorbeiströmenden Massen und suchte Schutz im Souvenir-Shop.

Von dieser kleinen weißen RHS -Tasche (im übrigen die schönste, die ich je gesehen habe), brauchte ich eine größere. Ohne Geld auszugeben, konnte ich unmöglich das Gelände verlassen.

Um 14:30 Uhr war es dann soweit. Ich marschierte durch den Ausgang.

Die Mission für den Nachmittag lautete: Zimmer wechseln. Das wollte ich zum dritten Mal versuchen und betonen, dass ich in dem momentanen Zimmer keine Ruhe finde.

Aber erst mal hieß es: zurück zur Station und das zu Fuß. Den ganzen Tag auf dem großen Gelände, alles doppelt und dreifach abgelaufen, war ich froh, an der Station endlich in die Bahn zu steigen.

Gegen 15 Uhr im Hotel trug ich meine Bitte nochmals vor und wurde endlich erhört !

Mir wurde gesagt, ich solle ins Zimmer gehen, alles zusammen packen und dann würde ich nen Anruf bekommen.

Es klappte wunderbar. Der neue Zimmerschlüssel wurde mir an die Tür gebracht und von der ersten Etage durfte ich - nach oben - in  den siebten Stock umziehen.

Nach 20 Minuten war alles erledigt.

Mein Tag war noch nicht zu Ende, ich hab mich ab 16:30 Uhr in die Bahn gesetzt und bin zwei Stationen weit zum Harrods gefahren.

Zu Fuß war es mir diesmal völlig unmöglich. Für Londoner Verhältnisse ist die Strecke echt nicht weit und das bin ich ja schon oft gelaufen, auch mit platten Füßen. An dem Abend war ich zu faul dazu.

Im Laden bin ich die üblichen Abteilungen durchlaufen. So wie ich mich kenne, hab ich was gekauft, mit Sicherheit kann ich das nicht mehr sagen. Krispy Kreme Doughnuts aber garantiert !

18:30 Uhr trat ich die Rückfahrt an. Der Tag war lang.

Freitag begann wie jeder Morgen der Woche. Das Ziel für den Tag war klar. Kew Gardens.

Mich lockte der vorausgesagte Sonnenschein in die Gegend. Die Ausstellung Butterflies, Bugs and Beasties, die ich mitnehmen wollte, sollte am nächsten Tag losgehen. Was nützt die schönste Ausstellung bei Regen ?

Außerdem hatte ich schon viel zu lange gewartet !

Ohne Streckensperrung erreichte ich die Station Kew gegen 9 Uhr. Glücklich über die normal verlaufende Anreise freute ich mich auf den idyllischen Bahnhofsvorplatz.

Seit meinem letzten Besuch (im März) wurden die Äste der Bäume gekürzt. Der Platz war weniger schattig und daher etwas weniger verträumt. Aber wer bin ich, wenn mir das die Vorfreude nehmen würde.

Am Victoria Gate (gegenüber dem Eingang) stehen zukünftig zwei Bänke ! Das find ich toll.

Etwas weniger toll war der erhöhte Eintrittspreis: 0,50 Pfund mehr. Aber den Preis zahl ich doch mit Liebe !

Das Waterlily-House wurde gründlichst unter Lupe genommen und nicht vor einer halben Stunde Aufenthaltszeit verlassen.

Einfach nur wunderschön - morgens noch still - boten die großen Blätter der Victoria Amazonica diesmal einen unvergesslichen Anblick.

Ich fühlte mich fast so glücklich als hätte ich eine halbe Stunde lang was ganz anderes gemacht !

Der einzige Weg, den ich wirklich jedes Mal in die gleiche Richtung gehe, ist der von der Kasse zu diesem kleinen Gewächshaus. Alles andere entscheide ich spontan.

Auf meiner Liste standen neben den üblichen Dingen, diesmal drei saisonbedingte.

Ich wollte sehen, wie weit die erwähnte Ausstellung im Princess of Wales Conservatory ist. Ob man schonmal gucken darf ?

Tatsächlich war absolut nichts von irgendwelchen Aufbauarbeiten zu beobachten. Die Schmetterlinge flogen frei in mehreren der 10 Klimazonen. Die Bugs and Beasties waren nur künstliche Objekte im restlichen Teil des Gewächshauses. Super, dass ich an diesem tollen Tag auch noch die gewünschte Ausstellung sehen konnte.

Ganz wichtig war mir der Laburnum Walk am Kew Palace. Ich hatte mal ein schönes Bild davon gesehen und fragte mich, wann wohl der schönste Monat dafür wäre. Mai klingt immer gut.

Ich war sowas von froh, dass ich überhaupt wusste, wo sich dieser kleine Weg auf der riesigen Fläche von 1,21 km² befindet.

Was ich zuerst und zuletzt gemacht habe: keine Ahnung - und das ist auch gut so. So ein Tag ist immer vollkommene Entspannung. Mich treibt es mal hier und mal dorthin, ganz so wie es mir beliebt. Auch wenn ich dreimal am See sitzen muss und in die Sonne blinzeln möchte... Dafür bleibt genügend Zeit.

Ich hatte sogar genug Zeit für den letzten Weg am äußersten westlichen Rand. Am Queen Charlottes Cottage war ich bisher noch nie. Und so führte mich der Weg am Ende noch zur dritten saisonbedingten Erledigung: die Ausstellung der Gewinnerfotos vom Fotowettbewerb International Garden Photographer Of The Year.

Auch eins meiner Fotos wird dort irgendwann gezeigt.

Eis schleckend umkreiste ich die mitten auf dem Rasen aufgestellten Fotowände und fragte mich teilweise, was an manchen Fotos so besonders wäre. Also sowas kriege ich ja wohl auch noch hin. Ach, für mich doch ne Kleinigkeit !

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Es versteht sich von selbst, dass ich diesen Ort nicht verlassen konnte, ohne den Shop am Ausgang zu durchwühlen.

Ach, auch dieser Tag ging zu Ende und bleibt unvergessen, jeder Moment - einfach wunderschön.

Gegen 16 Uhr fuhr ich zurück zur Gloucester Road, durchwühlte dort den Supermarkt und war etwa um 17 Uhr im Hotelzimmer. Mit einer weiteren Flasche Vida Nova.

Samstag begann - wie vorausgesagt - kühler und wolkiger.

Das Natural History Museum zeigte vom 28. Mai an die Ausstellung The Deep. Das wollte ich sehen und so stand ich bereits um 9:15 Uhr draußen vor dem Tor. Zu unser aller Überraschung wurde das Museum ausgerechnet an dem Samstag um 9:30 Uhr geöffnet.

Warum, weiß ich nicht mehr, es war auf jeden Fall eine Ausnahme.

Einige Abteilungen öffneten allerdings erst um 10 Uhr. So kam es, dass ich mir die Skelette vieler Dinos ansehen musste. Was finden die Kinder nur so toll daran ? Ein lebengroßes künstliches Monster gab furchteinflößende Geräusche von sich und stierte mich mit hasserfüllten Augen an !

Ich verließ lieber diesen ungeheuer-lichen Ort und suchte den Eingang zur Ausstellung.

The Deep zeigte alles, was sich in der Tiefe des Meeres befindet, zumindest das, was die Wissenschaftler bisher zu Tage gefördert haben. Tauchroboter, Teile eines Wal-Skeletts, Plankton und nie gesehene Kleinstlebewesen reihten sich an Infos zu Tauch-Expedition und Forschungsergebnissen.

Sehr informativ und interessant gestaltet.

Anschließend zog es mich zur kürzlich fertig gestellten Abteilung der Säugetiere. Hier werden lebensgroße Plastiken vieler Säugetiere gezeigt, u.a. mehrerer Wal-Arten, wie z.B. dem Blauwal. Sehr imposant erstreckte sich der riesige Körper quer durch den Raum. Von einem Ende zum anderen, schätzungsweise 20 m lang.

Den Plan vor Augen suchte ich die eine Abteilung, die ich immer schon sehen wollte und fand sie ganz hinten in der Ecke: das zoologische Archiv.

Diese schaurig-schönen Viecher eingelegt in Konservierungsflüssigkeit konnte ich mir gar nicht alle angucken. Es waren zu viele. Ein paar besonders häßliche Exemplare fand ich dennoch und ekelte mich ganz toll.

Im Ganzen gesehen: einfach unfassbar diese Sammlung. Viele Reihen langer und hoher Regale offenbarten sich hinter den Glasscheiben. Da findet man beim nächsten Besuch garantiert noch grauseligere Kandidaten.

Ich war nicht in allen Abteilungen, aber ganz bestimmt bei den Edelsteinen. Diese funkelnden kleinen und großen Steinchen lagen leider hinter Glas. Das war für mich und für die Steine wirklich besser so ! Ich hätte alle mitnehmen können.

Am Nachmittag spazierte ich mit dem aufgespannten Schirm durch die Innenstadt. Ich erledigte die Besorgungen, zu denen ich in den Tagen zuvor nicht gekommen bin. Ein kleiner Bummel durch einige Arkaden war auch noch drin. Ein Besuch bei Fortnum & Mason und abschließendes Essen im Café Nero.

Alles Dinge, die man gut bei Regen erledigen konnte.

Den Abend ließ ich mit Koffer packen ausklingen. Am nächsten Tag stand nur noch ein kurzer Besuch in meinem Park an.

Ich reservierte mir die letzten Stunden auf meiner Bank am See und sog alle Motive und Szenen mit der Kamera auf.....